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Menorah · 1927-05-01 · Heft 5 (Mai 1927) · p. Seite 302

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 5 (Mai 1927)
Article
Roma Israelitica
Date
1927-05-01
Page
Seite 302 (sequence 2)
Language
German
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302 MENORAH sterium gewesen. Der Grund, warum er keinen Gesandten- oder später Botschafterpostön annehmen wollte, ehrt ihn. Hätte er doch dazu — es war um die Wende des 19. Jahrhunderts! — einen Glaubenswechsel vornehmen müssen, da er sonst an keinem der Höfe Europas für „Persona grata" angesehen worden wäre. Nur an dem des Mikado wäre er für würdig befunden worden, sein Vaterland zu vertreten. Auf dem Campo de'Fiori wurden, außer Ketzern, auch Juden verbrannt, wie am 18. Februar 1583 der portugiesischeMarrane Gabriello Henriquez. Er ward lebendig den Flammen übergeben, da er jedem Bekehrungsversuch charaktervoll widerstand. Dagegen scheint sein Glaubensgenosse Diego Lopez aus Gnade aufgehängt und erst dann verbrannt worden zu sein, weil er Reue zeigte und seinen Irrtum bekannte. — Am 19. März 1640 erhängte sich der portugiesische Marrane Ferdinando Alvarez selbst an derselben Richtstätte, um nicht lebendig verbrannt zu werden: Da er nicht abschwören wollte, hatte man auf diese Weise die Todesstrafe an ihm zu vollziehen gedacht. Übrigens darf man daraus, daß diese und ähnliche Urteile der heiligen Inquisition in Rom gefällt und vollzogen worden sind, nicht etwa auf eine besondere Strenge und Grausamkeit der Italiener in den Richterkollegien schließen. Waren doch diese international! Wollte man den Charakter eines einzelnen Volkes für den Geist, der die Urteile beseelte, verantwortlich machen, so wäre es eher der spanische. Im Jahre 1553 ließ die Inquisition auf dem Campo de'Fiori den Talmud durch Feuer vernichten. Solche Ausrottungsversuche des jüdischen Geisleslebens haben wohl das Ihrige dazu beigetragen, daß noch heutzutage die Kleinhändler auf dem allwöchentlich am Mittwoch zwischen Campo de'Fiori und Cancelleria abgehaltenen Krammarkte zum größten Teile Kinder Israels sind. Denn tatsächlicu ist die Zahl dieser Jahrhunderte hindurch ausschließlich auf materiellen Gewinn angewiesenen Menschenklasse dort so stark vertreten, daß die städtische Behörde sich genötigt sieht, den Krammarkt auf einen anderen Wochentag zu verlegen, wenn einmal das Versöhnungsfest auf einen Mittwoch fällt. Immerhin muß auch bei dieser Gelegenheit betont werden, daß die Behandlung, wie sie seinerzeit den Juden Roms von seiten der päpstlichen Regierung zuteil ward, wenigstens, was ihr physisches Dasein betrifft, im Verhältnis zu derjenigen in a n de r e n Ländern Europas als eine milde zu bezeichnen ist. Weder zu Massenaustreibungen und noch viel weniger zu Massenmorden ist es in der Tiberstadt in päpstlicher Zeit gekommen! Weit wichtiger als die Waren dieses Krammarktes sind für uns die Typen und die Namen der Verkäufer. Da finden wir die Anav, welche nachweislich seit dem 10. Jahrhundert ununterbrochen ihren Wohnsitz in der Ewigen Stadt haben, und damit überhaupt die älteste, noch heute blühende israelitische Familie Europas sind. Sie kann auf eine entfernlere Vergangenheit zurückschauen als die meisten Adelsgeschlechter Roms und die Herrscherhäuser der Welt. Im Mittelalter haben sich verschiedene ihrer Mitglieder als Talmudisten einen Namen gemacht. Auch die Piattelli lassen sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Übrigens lockt die Gegenwart von Trägern solcher uralten Namen auf dem Trödelmarkt zwischen Campo de'Fiori und Cancelleria um so mehr zum Vergleich mit denen des ältesten Adelstitels Europas, als der Familienpalast letzterer, welche sich bereits zur Karolingerzeit in Rom nachweisen lassen, ganz in der Nähe liegt. Da scheint es denn, daß sie nicht nur bezüglich des Alters, sondern auch der Heiligkeit des Familienlebens den Vergleich mit ihnen aushalten können. Vom sittlichen Standpunkt aus also vielleicht ein Glück für diese uralten jüdischen Familien Roms, daß man ihren Vorfahren den Lrwerb von Grundbesitz und die Bekleidung hoher Ämter im Staate bis zum Jahre 1870 nicht gestaltet hat! Marco Minghetti. der von seinem künstlerisch nicht bedeutenden Denkmal herab eine seiner stilgerechten Parlamentsreden zu hallen scheint, ist, obwohl Führer der Rechten, dnch -uV?r erste Ministerpräsident Italiens

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