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Menorah · 1927-05-01 · Heft 5 (Mai 1927) · p. Seite 297

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Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 5 (Mai 1927)
Article
Adolf Warschauer - ein Pionier ostmärkischer Kulturarbeit
Date
1927-05-01
Page
Seite 297 (sequence 2)
Language
German
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ADOLF WARSCHAUER — EIN PIONIER 297 der daraus resultierenden Arbeiten fand Warschauers ganz einheitlich gestimmte wissenschaftlich-amtliche Laufbahn ihr Ende. Die Ubersicht über diese Laufbahn, die eine ununterbrochene Kette wissenschaftlicher Leistungen und restloser Aufopferung im Dienste des Staates darstellt, hat gewiß ihren Schwerpunkt in der besonderen Kultursphäre, in der sie sich vollzog und objektivierte. Denn die Entwicklung von Warschauers eigenem Leben objektiviert sich tatsächlich in der Entwicklungsgeschichte des deutsch-kulturellen Lebens an der Stätte seines Wirkens. Aber gerade in dieser Objektivierung schlägt am deutlichsten die persönliche Note des Memoirenschreibers durch; in der Schlichtheit und Klarheit seiner Darstellungsweise offenbart sich die Einheit von Stil und Persönlichkeit. In der Beurteilung von Dingen und Menschen spiegelt sich sein Eigenstes wider. Ein Meister anschaulicher Charakterisierung und anspruchsvoll gegen sich selbst, behandelt er all die Großen und Kleinen, die seinen Lebensweg kreuzten, mit anerkennendem Wohlwollen und mit jener verstehenden Nachsicht, die gegenüber Schwächen und Torheiten das feine Lächeln überlegenen Humors aufbringt. Die Milde seines eigenen Wesens übergoldet die Schwere der Probleme, die in seinem national zerrissenen Heimatlande sich auf taten. Freilich rollt er die Probleme auch nicht in ihrer vollen Breite auf, er referiert zumeist nur und überläßt es dem Leser, die berührten Zustände ganz auszudeuten. Hier ist der Punkt, wo diese Memoiren hinüberlenken zur Judenfrage in den für die preußisch-deutsche Judenheit so bedeutsam gewesenen Posener Landen. Unter der Fülle größerer und kleinerer Arbeiten, mit denen Warschauer die landesgeschichtliche Forschung bereichert, durch die er sich den Ruf des besten Kenners der posensch-polnischen Geschichte erworben hat, finden sich auch mehrere Aufsätze zur Geschichte der posenschen und westpreußischen Juden. Sie sind alle — wert einer zusammenfassenden Herausgabe — Kabinettstücke ihrer Art, fesselnd durch Gegenstand und Darstellung. Von diesen speziellen Studien aus fand Warschauer auch den Zusammenhang mit den Bestrebungen, die dahin gingen, der Geschichte der deutschen Juden eine archivalisch gesicherte Grundlage zu schaffen. Er wirkte bei der von dem jüngst verstorbenen Archivar der Fürsten von Pleß, Dr. Ezechiel Z i v i e r, angeregten Begründung des Gesamtarchivs der deutschen Juden in Berlin mit und erhielt diesem Institut bis heute seine wertvolle Mitarbeit. Aber in dieser Verknüpfung mil jüdischgeschichtlichen Themen, Bestrebungen und Instituten und auch in der freundschaftlichen Verbindung und Berührung mit prominenten Juden, zum Beispiel den ehrwürdigen Inhabern der Posener Rabbinate, kann natürlich etwas Entscheidendes noch nicht erblickt werden. Das Entscheidende liegt im allgemeinen. Es bleibt eine merkwürdige Erscheinung, wie in dem Nationalitälenkampf zwischen Polen und Deutschen sich die posenschen Juden ganz eindeutig für deutsche Kultur und Sprache entschieden und ganz rückhaltlos ihr hingegeben haben. Schon in seiner Frühzeit wurde Warschauer darauf hingewiesen, sich mit diesem Phänomen zu beschäftigen. Wie das geschah, lassen wir Warschauer am besten selbst erzählen (Seite 64): „In der zweiten Hälfte der Achtzigerjahre entstand auch eine Arbeit, deren Entstehungsgeschichte beinahe etwas Geheimnisvolles hatte. Ein russischer Großwürdenträger, so wurde mir erzählt, soll sich die Frage vorgelegt haben, woher es komme, daß die Juden in Russisch-Polen nach jeglicher Richtung hin in der Kultur hinter den Juden der preußischen Provinzen Posen und Westpreußen so weit zurückständen, während sie doch noch vor einem Jahrhundert, vor den Teilungen Polens, eine gleiche, rückständig gebliebene Masse mit ihnen bildeten. Der Großwürdenträger, der nicht genannt werden wollte und dessen Name mir auch später niemals bekanntgeworden ist, wandte sich durch Vermittlung der Berliner Universität an den dor-

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