Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1927)
- Article
- Aus der Sammlung "Briefe"
- Date
- 1927-05-01
- Page
- Seite 284 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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284 MENORAH gedeutet finden, die Deiner bezüglich der Pharisäer und Sadduzäer gleichkommt; ebenso über Jabne und die Organisation, zu der dort der Grundstein gelegt wurde und die sich in der Galuth fortentwickelte („Auf dem Scheidewege", III., 229 bis 231). Der Abschnitt „Die Grundlage der Kultur" vergnügte mich sehr. In einzelnen Absätzen glückte Dir eine klare und richtige Darstellung des Anfanges der kulturellen Entwicklung in Israel. Hinsichtlich der Entwicklung des Gottesbegriffes (33 und 34) schrieb auch ich ähnliches in einem meiner ersten Aufsätze (,,Das Vorher und Nachher im Leben" in „Am Scheidewege", 152 bis 154). Aber ich bemühte mich, auch den Sieg des Einheitsgedankens in den Tagen des babylonischen Exils im Wege natürlicher Entwicklung aus der nationalen Idee heraus zu erklären, während Du, in Deinen Ausführungen über diese Periode (206 bis 208), meiner Ansicht nach, zu keiner vollständigen und klaren Erklärung gelangtest, die die Verknüpfung der Ursachen und Folgen im Wege natürlicher Erkenntnis bloßlegen würde. Im allgemeinen suche ich dies seit langem in den Büchern, die sich mit dieser Periode befassen, um zu sehen, ob nicht vielleicht jemand dazu gelangen wird, jene Anschauung zu erklären und zu veröffentlichen, die ich an erwähnter Stelle angedeutet habe und die, meiner Ansicht gemäß, die richtige, für uns besonders bedeutungsvolle ist. Laut gewohnter Annahme hat die babylonische Periode, die Epoche Jesaias des Zweiten, den Grund zum Universalismus gelegt — im Gegensatze zum engen jüdischen Nationalismus verbreitete sich damals die Idee des „Weltgottes" — während nach meiner Anschauung die Idee der Einheit aus dem Prophetenkreise nur durch den Nationalismus hervorging und hervorgehen konnte, um zum Glauben des gesamten Volkes zu werden. Bisnun sah ich nicht, wer dies behaupten würde. Die kurze Andeutung in meinem erwähnten Artikel wurde keiner Aufmerksamkeit gewürdigt, so daß die Idee in den Einzelheiten entfaltet worden wäre. Der Abschnitt über die Entstehung des Christentums enthält viele schöne und richtige Stellen, aber ein Grundfehler haftet ihm an, und zwar: daß Du innerhalb der historischen Wahrheit viele Details anführst, die außerhalb ihrer Grenze — in der Welt der Legende und des Mythus — liegen. Wahrhaftig, so taten auch die meisten Christen, die über dieses Thema vor Dir schrieben. Aber Christen — wohlgemerkt. Für sie ist das ,,Neue Testament" Geschichte: wer irgend eine Einzelheit herausnehmen will, — der hat einen Beweis zu erbringen. Aber wer kein Christ ist, der schaut dieses Buch mit objektiven Augen an und er muß den Grundsatz umkehren: was keine historische Wahr-