Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1927)
- Article
- Die jüdische Kultusgemeinde in Linz und ihr Tempel
- Date
- 1927-01-01
- Page
- None (sequence 5)
- Language
- German
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Sir Moses Montefwre Bart an Dr. Adolf Kurrein, Rabbiner und Prediger der israelitischen Kultusgemeinde in Linz-Urfahr, London, 30. April 56iy mäßig jungen Jahren als Vorsteherstellvertreter die Zügel der Gemeinde übernehmen, bis ich im Jahre 1907 zum Vorsteher gewählt wurde. Dieses Amt bekleide ich nun 20 Jahre. Wenn es mir gelang, über die Fährlichkeiten der verschiedenen Ereignisse hinwegzukommen, so habe ich dies der treuen Gefolgschaft der jeweiligen Vorstandsmitglieder und der gewissenhaften Mitarbeit der Gemeindebeamten zu danken. Geschichte, ohne Beachtung der zeitgenössischen Kulturgeschichte ist wie eine Zeichnung ohne Schlagschatten. Ich kann es mir nicht versagen, das Leben dieser Zeit zu schildern. Meine Eltern zogen im Spätherbst des Jahres 1864 nach Linz. Ich habe daher hier meine ersten und nachhaltigsten Eindrücke empfangen. Unvergeßlich ist mir das Bild, das der Tempel in der Marienstraße an den Jomim Neorim bot. Das Bethaus war, entsprechend den widerstreitenden Anschauungen der Gemeinde, ein Mittelding zwischen orthodoxer Schul und neologer Synagoge.* Die Frauen schul war durch ein Gitter abgetrennt, das Oran Hakodesch und der Schulchan, beides sehr hübsche Stücke, die heute noch unseren Vor- oder Wintertempel zieren, fanden sich nicht in der Mitte, sondern an der Ostwand. Und dieser kleine Raum war überfüllt mit andächtigen Betern, von denen der eine Teil in Kittel und Häubel mit offenen Tallesim seiner Andacht oblag, während der andere, der Mode der damaligen Zeit entsprechend, in feierlichen schwarzen Röcken, weißer Krawatte und weißen oder schwarzen Zylinderhüten erschienen war. Dazu kam noch das ehrfurchtgebietende Äußere des Rabbiners Dr. Frank, die hervorragenden stimmlichen Mittel des Kantors H. Sparger und seines gutgeschulten, in kleine Ornate gekleideten Knabenchores, der damals gegründet worden war. Hier muß auch eines Mannes gedacht werden, ohne dessen großmütige Widmung der Bau des heutigen Tempels trotz aller Initiative der leitenden Männer noch lange Jahre hinaus wohl unmöglich gewesen wäre. Herr Isaak Segall, ein russischer Jude, in Linz ganz fremd, erkrankte auf einer Reise in unserer Stadt und hinterließ der Gemeinde, als er hier nach längerer Krankheit starb, über Intervention seiner hiesigen Freunde, insbesondere des H. Markus Sonnenschein, einen