Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1927)
- Article
- Die jüdische Kultusgemeinde in Linz und ihr Tempel
- Date
- 1927-01-01
- Page
- None (sequence 6)
- Language
- German
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MENORAH Barbetrag von 10.000 Franken, der den Grundstock zum Tempelbaufonds gebildet hat. Nachhaltig war auch der Eindruck, den die am 17. Mai 1877 erfolgte Eröffnung des neuerbauten Tempels auf die Festgäste machte. H. Rabbiner Dr. Jellinek, Wiens berühmtester Prediger, hielt die Rede bei der Entzündung des ewigen Lichtes, H. Rabbiner Dr. Adolf Kurrein die Weiherede, während die kantoralen Funktionen von dem Meister des Tempelgesanges, Salomon Sulzer, versehen wurden. Als Gast war der Initiator, Rabbiner Dr. Frank aus Köln am Rhein, erschienen. Diese Namen genügen als Beweis für die Feierlichkeit und Würde, sie sind aber auch ein Zeugnis der großen Bedeutung, die diesem Ereignis nicht nur von der Judenschaft Linz', sondern ganz Österreichs beigemessen wurde. Dieses Ereignis wurde in einer eigenen Festschrift verewigt. Die vielen Gratulationsschreiben von Korporationen und Persönlichkeiten, die Protokolle der Festreden sind im Archiv der Kultusgemeinde aufbewahrt. Dieses junge Gotteshaus würdig auszugestalten und mit künstlerischen Gottesdienstgeräten auszustatten, war das Bestreben der folgenden Jahre. Spenden vieler Gönner ermöglichten es, einen Schatz schöner Seforim, wertvoller Klekdoschim, prächtiger Vorhänge und Decken anzusammeln. Den besonderen Stolz bilden ein Sefer und ein Kidduschbecher, beides Geschenke des Philanthropen Moses Montefiore. Die silbernen Altarleuchter sind Geschenk der Juden von Steyr. Eine silberne ewige Lampe spendete Ignaz Kronberger. Im ganzen verfügt die Gemeinde über sechs vollständige Garnituren Silbergerät für Thorarollen und vier vollständige, reich gestickte Päramentenzusammenstellungen, abgestimmt für alle festlichen Gelegenheiten des Jahres. Eine Spende des Frauenvereines ist der herrliche Trauhimmel. Unter der Vorstehung Ignaz Hahn wurde die Orgel aufgestellt. Mir war es gegönnt, im Jahre 1909 einen Anbau an die Ostwand des Tempelgebäudes ausführen zu dürfen, der Raum für die Aufstellung dieser Orgel oberhalb des Oran Hakodesch schuf und außerdem das Gebäude mit $en behördlicherseits geforderten Notausgängen versah. Im Jahre 1920 wurde der Tempel elektrisch beleuchtet. Ebenso alt wie die Gemeinde ist auch eine ihrer wichtigsten Institutionen, die Krankenpflege und Beerdigungsbruderschaft Chewra Kadischa. Im Laufe der Jahre mußte sie den Friedhof, der sich einer mustergültigen Pflege erfreut, mehrfach erweitern. Ihren Vorstehern Jakob Gans, Max Bruder, Adolf Fürst, Albert Sternschein und dem derzeitigen Vorsteher Adolf Pick, die sich auch alle als verdiente Gemeindevorstandsmitglieder betätigt haben, hat sie ihre, in jeder Beziehung vortreffliche Organisation zu verdanken. Rühmenswert ist der Weitblick, mit dem insbesondere der zum Ehrenmitglied dieser Bruderschaft ernannte Vorsteher Albert Sternschein für die Erweiterungsmöglichkeiten des Friedhofes Vorsorge traf. Undankbar wäre es, würde an dieser Stelle nicht einer der tätigsten Mitarbeiter auf dem Gebiete der Friedhofpflege, der leider zu früh verstorbene H. August Bigler, genannt werden. Diesem Verein treu zur Seite stand und steht der Jüdische Frauenverein, der