Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1927)
- Article
- Die jüdische Kultusgemeinde in Linz und ihr Tempel
- Date
- 1927-01-01
- Page
- None (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2912821-2912866-2912872-2919630--04769-2919736- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
MENORAH H. Rabbiner Dr. Stern erhielt eine Anstellung in Liverpool und verließ daher Linz. Seinen Platz nahm der damalige Rabbiner von Saaz, Dr. Abraham Salomon Frank, ein gebürtiger Rotterdamer, ein. Er war ein hervorragender Gelehrter, ausgezeichneter Kanzelredner und zielbewußter Mensch. Diesen Eigenschaften ist es zu verdanken, daß er und die rührigen Vorstandsmitglieder I. Wallerstem und Ignaz Halm die Mittel zum Bau eines Tempels aufzubringen begannen. Sie unterzogen sich der Mühe, Anteillose zu verkaufen und Spenden zu sammeln, um den Bau nach den Plänen der Oberösterreichischen Baugesellschaft durchführen zu können. Unerwarteterweise wurde Dr. Frank nach Köln am Rhein als Rabbiner berufen. Sein Nachfolger in Linz wurde 1876 der junge St. Pöltener Rabbiner Dr. Adolf Kurrein, ein hinreißender Redner, tüchtiger Pädagoge und großer Talmudkenner. Seine Heirat mit Jessie Löwe, der Tochter des Orientalisten und Begleiters Moses Montefiores, Dr. L. Löwe, brachte seiner Gemeinde die angenehmsten Beziehungen zu diesem großen jüdischen Philanthropen. Der dritte Sohn aus dieser Ehe, der in Linz geborene Dr. Viktor Kurrein, wirkt zurzeit als Rabbiner in seiner Heimatstadt. Dr. Adolf Kurrein wurde auch der eifrige Nachfolger Dr. Franks in der Förderung des Tempelbaues, so daß noch 1876 zur Grundsteinlegung geschritten werden konnte. Im Mai 1877 war das Werk vollendet, das Gotteshaus in seiner heutigen Gestalt erstanden. Die feierliche Einweihung fand am 17. Ijar statt. An diesem Tempel zu wirken war Dr. Kurrein nur sieben Jahre beschieden. Er wurde von der größeren Gemeinde Bielitz gerufen und nahm diesen ehrenvollen Ruf auch an. Auch der Vorsteher Dr. Winternitz trat von seinem Posten zurück. An seiner Statt wurde der Industrielle I. V. Mautner gewählt. Den Rabbinersitz bezog im Jahre 1883 Moritz Friedmann aus Neu-Rausnitz in Mähren, der 40 Jahre seines Amtes waltete. Geachtet und geehrt von seiner Gemeinde, schied er im Jahre 1926 knapp vor seiner Ernennung zum Regierungsrate, 90 Jahre alt, aus dem Leben, das ihm wie wenigen neben Momenten der Freude Zeiten des tiefsten Leides, der schwersten Sorgen gebracht hat. Sein Wirken steht noch viel zu gut in unserer Erinnerung, um besonders hervorgehoben zu werden. Der Staat hat seine Tätigkeit durch die Verleihung eines hohen Ordens, die Gemeinde durch die Ernennung zum Ehrenmitglied gewürdigt. Im Jahre 1889 gab es einen heftigen Wahlkampf in der Kultusgemeinde, aus dem H. Ignaz Hahn, Fabrikant in Linz, als Vorsteher hervorging. Das Wirken dieses, mit großen Gaben des Geistes und Gemütes ausgezeichneten Mannes steht noch lebhaft in meiner Erinnerung, da ich in den Vorstandsagenden sein Schüler war und unter seiner Leitung im Vereine mit Bernhard Taussig, Simon Schubert, Jonas Treichlinger, Siegmund Kafka, Max Bruder, Heinrich Freund, Albert Sternschein und anderen tätig sein konnte. Leider konnten wir uns des Glückes, an der Seite Ignaz Hahns zu arbeiten, nicht lange erfreuen. Ein tückisches Leiden hat seinen Geist umnachtet, seinen Körper geschwächt, und ich mußte in Verhältnis-