Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 4 (April 1927)
- Article
- Auf dem Hügel
- Date
- 1927-04-01
- Page
- Seite 241 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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AUF DEM HÜGEL 241 summten müde und schläfrig, flogen oder krochen in Scharen herum, setzten sich einem auf die Nase und bissen in die Stirne. Eine vereinzelt schwärmende Fliege schwirrte jedesmal durch den Streifen voll Sonnenstaub und erglänzte bläulich-golden, erschien größer und wie umnebelt in den Regenbogenfarben. Fern krähte ein Hahn kaum vernehmbar in der sonnigen, heißen Lässigkeit. Ein zweiter entgegnete irgendwo. In der offenen Tür erschien plötzlich ein großer, schwarzer Hund mit schmutzigen Zotteln. Seine feine, rote Zunge hing aus den Maulwinkeln zitternd und naß heraus. Der Freier hatte nicht übel Lust, dem Hunde nachzurennen und ihm mit dem Stock eins zu versetzen. Aber er konnte sich nicht vom Sessel erheben, seine Äuglein fielen ihm schwer und müde zu und seine Mutter hielt ihn an dem Ärmel, kniff ihn und schrie durch die zahnlosen, bläulichen Kiefern: „Mach1 keine Faxen und schlag ein.. . Chaskele Dieb, zum Ruw geh und laß Tnuim schreiben.. . Die Knochen werd' ich dir kleinbrechen ... soll nur der Vater nach Hause kommen.. . Ty zlodzieje . . . du Dieb .. schrie plötzlich die Mutter polnisch. Die ferne Stimme lastete sommerlich-schwer auf dem Lid seines einzigen Auges. Der Freier ließ den Kopf schwer sinken, erschrak jedesmal und richtete sich wieder auf. Aber die Stimme der Mutter, die ihm noch irgend etwas polnisch zuschrie, wollte nicht verstummen, bis sie in die verklebten Lider drang und sie mit großer Schwere zu weiter, nebelhafter Verständnislosigkeit öffnete ... ,,Ty zlodzieje... du Dieb . .. gib mir die Kette zurück . . . mein Eigentum . . . die goldene Kette. . schrie in der offenen Tür irgend ein schwarzes, kleines Dämlein, das mit einem Höllenlärm in die Stube fiel. Sie wandte sich quietschend an die Leute in der Stube. Mit ausgebreiteten, dünnen Ärmchen lief sie dem Gendarmen entgegen, der mit seinem blonden, zwei Hörnern ähnlichen Schnurrbartspitzen, mit blanker Waffe und glitzerndem Bajonett in die Stube trat. Von seinem Tschako wehte, schrecklich anzusehen, ein bläulich-goldener Federbusch wie der Schweif eines Hahnes. Seine bösen Augen richteten sich befehlend und wie ein Dolch gegen den Freier: „Wie heißt du?" Der Freier erhob sich vom Sessel und antwortete: „Chaskel Moses Mesuseh .. Zusammengelaufene Leute drängten sich zur Tür, an die Fenster hefteten sich Gesichter mit offen gaffenden Mäulern. Das Dämlein sprach weinend und man verstand kaum, was sie wollte. Sie schrie, daß der Freier mit ihr aus Koslew auf einer Fuhre gefahren kam und es