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Menorah · 1927-04-01 · Heft 4 (April 1927) · p. Seite 240

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 4 (April 1927)
Article
Auf dem Hügel
Date
1927-04-01
Page
Seite 240 (sequence 3)
Language
German
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240 M E N O R A II Durch das Fenster hörte man Welwels schwere, stotternde Stimme. Er kam nach Hause und wie immer sprach er draußen noch zu sich selbst, sprach und schimpfte über seine Kinder und seine Frau. Er kam herein, streckte dem Freier die Hand entgegen: „Sch'malejchem", und sprach ihn wie einen alten Bekannten an: „Nu, was sagt man zu so einem Weib, ha? Ein Weib ... Und Kerle sind das... Solche Lümmel... Hört Ihr, ein armer Mann hat mit seinen Kindern kein Glück ... Ich bleibe dabei: wenn ein armer Mann rechte Kinder hätte, wäre er doch nicht arm... Was? Ha? ... Solch kräftige Lümmel... Ich würde ihnen zu fressen geben, ich? . .. Die Pest... Gehen müßig herum, diese Kerle, und fressen... Fragt sie mal, ob sie in den Cheder gehen ... ob sie ein Stück Holz zerkleinern wollen... Hast heute gebetet, Dudsiele? ... Komm mal her, Dudsiele... frißt.. . frißt... Warum bleibt es euch nicht im Halse stecken, ha? ... Dudsiele, Dudsiele? ..." So spricht der Vater den Sohn an, winkt ihm durchs Fenster und schüttelt den Kopf. Dudsie weiß wohl, was dies zu bedeuten hat. Er fühlt schon auf seinem Genick den harten Lederriemen, den der Vater abnimmt und auf ihn niedersausen läßt, wo er gerade hin treffen mag, auf das Gesicht, auf den Kopf, auf die Ohren. Und Dudsie sucht das Weite. Es ist gescheiter, dem Vater nicht zu begegnen. Von weitem sieht er, wie der Vater mit dem Sack auf den Schultern nach Hause geht. Er hört ihn zu sich selbst laut sprechen: „Eine solche Bande... solche Bauernlümmel... Sind das Kinder heutzutage, nu, nu .. Indessen saß der Freier in der Stube obenan am Tisch, fing Fliegen und reckte seine bläuliche Fratze. Er hatte große Lust, ein wenig vom Sessel aufzustehen, aber er schämte sich. Er hatte bereits mit einem verstohlenen Blick die Braut gemustert und Breindel gefiel ihm heute ausnehmend gut. Er sah, daß sie in den Hüften ein riesenstarkes, breites Weib war. Das Lid seines blinden Auges blinzelte zweimal mit besonderer Befriedigung über die Fäuste, mit denen er, nach Handwerkerart, auf seine Frau dreinhauen wird. Die Partie gefiel ihm. Es gefielen ihm die Menschen, die Stube und die große, gemütliche Familie... Man wird ihn da aufnehmen und es wird aus ihm etwas werden... Er wird sich nicht mehr auf den fremden Ofenpritschen herumwälzen. Er wird sein eigener Herr sein .. . ein Bäcker mit einem eigenen Backofen... ein Meister für sich, der ewige Traum der Handwerker. Er sah lange, lange hinein in den Streifen Sonnenstaub, der hell und silbern vom Fenster her in die leere, sommerliche Stube wirbelte. Die Fliegen

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