Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 4 (April 1927)
- Article
- Die Weisheit des Rabbiners
- Date
- 1927-04-01
- Page
- Seite 235 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2912821-2912866-2912871-2919441--04669-2919558- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
DIE WEISHEIT DES RABBINERS 235 „Dann will ich dir bald Kunde sagen lassen." — „Aber wann?" — „Weiß ich, mit wieviel Hüllen der Nacht die Wahrheit verhüllt ist?" Am Abend, als man von der Kasbah und den benachbarten Hochterrassen der Araberstadt in die Mellah nicht hineinsehen konnte, ließ der Rabbi Ephraim ben Saul holen, den Goldschmied, und sagte zu ihm: „Ephraim, erinnerst du dich an den Tag, an dem Ali el Fari ermordet wurde?" — „Ja." „Hat dir jemand an diesem oder einem der folgenden Tage seltene oder in fernen Ländern geprägte Münzen gebracht?" „Nein", sagte Ephraim. „Dann werde ich mich geirrt haben", murmelte David. „Nein, sicherlich nicht, aber erlaube mir, dich in einem Augenblick noch einmal zu stören .. Ephraim kehrte zurück. „Ich habe mich erinnert, daß mein Sohn an diesem Tage große Angst hatte. Er wurde abends von einem Manne gestellt und bedroht, der sich erst beruhigte, als mein Sohn ihm Auskunft gab. Dieser Mann fragte nach irgend einem reichen Juden in Hammamet, der Kleinodien und Münzen kaufen würde. Mein Sohn nannte ihm den alten Sedekia. Der Mann machte sich fort." „Hat dein Sohn diesen Mann je vorher gesehen?" „Nein, wenigstens kann er nichts bestätigen." „Würde er ihn wieder erkennen?" „Ich glaube nicht... Es schien ein Nomade aus dem Süden zu sein." „Kannst du an Sedekia die Frage stellen, die ich dir soeben gestellt habe?" „Du willst es erfahren? Ich reise morgen nach Hammamet; in acht Tagen sollst du Antwort haben." „Der Segen des Herrn über deiner Reise." Es war einige Tage später, in wunderbarer Nacht. Lakdar kam in die Mellah und klopfte an die Tür des Rabbiners. David bot seinem Gast ein Ruhelager in der Ecke des Raumes an und streckte ihm schweigend die Hand mit vier großen Goldmünzen entgegen. Lakdar nahm sie, betrachtete sie und sagte: „Es sind spanische Dukaten, es ist lange her, daß ich welche gesehen habe." „Kannst du dich an den Augenblick erinnern, in dem du sie gesehen hast?" — „Was weiß ich?" — „Bei el Fari oder bei Milud?" Lakdar sprang auf ... „Ja, eines Tages zeigte mir el Fari einige Münzen aus seinem Schatz."