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Menorah · 1927-04-01 · Heft 4 (April 1927) · p. Seite 225

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 4 (April 1927)
Article
Josef Floch
Date
1927-04-01
Page
Seite 225 (sequence 2)
Language
German
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JOSEF FLOGH 225 Künstlerweges ihre Bedeutung haben; bleibt er auch als Mann bei ihnen stehen, dann ist er im besten Falle ein Könner, seine Kunst eine Handfertigkeit. Jedermann wird schon wahrgenommen haben, daß die jungen Menschen in unseren Malschulen — nach Überwindung der ersten Schwierigkeiten — sehr bald zur Anfertigung anatomisch richtiger Körper oder perspektivisch richtiger Räume gelangen. Sie haben allesamt nach kurzer Zeit die Vertrautheit mit den normalen Erscheinungen erreicht und sind damit ein geschulter Trupp geworden. Aber erst jetzt und nur für jene, die eigenmächtig aus der Reihe treten, beginnt der Aufstieg zur freien Künstlerschaft. Er mag in gerader Richtung oder abseits verlaufen, immer verläuft er über jenem Normalmaß, mit dem wir seine Werke trotzdem messen. Ist das nicht ein widersinniges Unternehmen? Wir wissen oder können uns darüber mühelos Klarheit verschallen, daß die Künstler der neuen Generation als Schüler an der Akademie mindestens ebensogut wie ihre fixen und flotten, von der Gunst des Publikums umschwärmten Kameraden das reguläre Pensum erledigt haben, ehe sie aus der Masse sprangen — und halten vor ihren Bildern doch unentwegt darüber Gericht, was sie gegen die Regel gefehlt haben. Um sie mit professoraler Würde nachträglich nun doch durchfallen zu lassen. Dieses Urteil, eingeflüstert von dem Schulmeister, der unausrottbar in jedem von uns sitzt, ist nicht nur töricht, es ist auch lächerlich. Denn es besteht auf der Meinung: „Er hat das Richtige nicht gekonnt.'4 Es befestigt unablässig das Mißtrauen gegen die neuen Entwicklungen der Kunst und läßt die andere, bessere Meinung: „Er hat es nicht gewollt" nicht aufkommen, jenes Vertrauen, das die Absage an unseren Eigendünkel, den ersten Schritt zur Hingabe und damit den Anfang einer rechten Kunstbetrachtung bedeutet. Nicht anders steht es mit der hartnäckigen und mißverständlichen Forderung nach Naturtreue, die gemeinhin so hoch eingeschätzt wird, daß eine Abweichung von ihr geradezu als Sünde wider den Geist der Kunst gehalten wird. Unter solchen Umständen mag es nützlich sein, dieser Wurzel aller verfehlten Betrachtungen einmal etwas näher nachzugehen. Vielerlei wirkt in unserer Zeit zusammen, um dieses alte Übel neu aufzufüttern. Da ist der moderne Wirklichkeitssinn, die Naturwissenschaft, die Photographie und die lange schon abgestorbene, aber bei der rückständigen Majorität noch immer lebendige Epoche des Realismus in jeglicher Kunst. Auch die Werke der neuen Gattung, die man mit einem unzureichenden Schlagwort „expressionistisch" benennt, fin-

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