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Menorah · 1927-04-01 · Heft 4 (April 1927) · p. Seite 226

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 4 (April 1927)
Article
Josef Floch
Date
1927-04-01
Page
Seite 226 (sequence 3)
Language
German
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226 MENORAH den noch immer Begutachter von impressionistischer Einstellung. Und da ist endlich jene Hausbackenheit, die jedwelche Malerei nach den Familienporträts beurteilt, von denen sie die ähnlichsten auch für die besten hält. Wiewohl ein Porträt sehr „ähnlich" und künstlerisch doch wertlos sein kann. Es liegt an unserer Erziehung, die immer zumindest um ein volles Menschenalter hinter der Entwicklung des Lebens zurückbleibt. Und hier wiederum an der ungebrochenen Herrschaft der Altphilologen, beziehungsweise ihrer Sachwalter im Bereich der bildenden Künste: der Klassizisten (womit in beiden Lagern selbstredend nur die Grammatiker, die Verteidiger der starren, leer laufenden Tradition gemeint sind). Merkwürdig, wrie sie sich über Jahrhunderte hinweg in Fehlschlüssen begegnen, aus denen unsere Jugend wohl oder übel ihre ersten, schwer überwindbaren Standpunkte herleitet. Sie erzählen ihr unentwegt das Ammenmärchen vom Wettstreit der beiden antiken Maler, die sich mit einer die Vögel täuschenden Weintraube und mit einem den Kameraden täuschenden Vorhang gegenseitig überboten hätten — und erzählen das zu welchem Ende, mit welcher Wirkung? Nun, um in den jungen Köpfen die haarsträubende Verirrung aufkommen zu lassen, daß eine solche platte Natürlichkeit das Ideal hellenischer Malerei und den Kern ihres Wesens bedeutet habe. Aber sie können seltsamerweise auch anders. Als rund zwei Jahrtausende später in der Kunst Rembrandts eine natürliche Malerei von neuer kühnster Art auftrat, da waren die klassizistischen Beckmesser sofort wieder zur Stelle, jetzt aber nicht um sie gutzuheißen, sondern um sie zu verhöhnen. Einer von ihnen — und er fand alsbald reichliche Nachfolge — hielt gegen den Meister in Reimen Gericht darüber, daß er statt der griechischen Venus grobe Waschfrauen und Torftreterinnen zu Modellen genommen und — horribile dictu! — an den Striemen, Kehlen und Wülsten der sitzenden Akte sein Gefallen gefunden hätte. Das Lob der Natürlichkeit war also im Munde der Leute gleicher Sorte in das gerade Gegenteil, in Beschimpfung, verkehrt. Denn diese Sorte Ästheten, durch deren Schulen wir alle hindurch müssen, scheut keinen Widerspruch. Sie ist dem und jenem gleich feind — sofern es nur neu ist. Wir aber tragen ihre Lehre weiter, die wenigsten nur ein paar Jahre, bis es unter harten, unnötigen Bemühungen des Geistes geglückt ist, sie wieder abzustreifen, die anderen ihr Leben lang. Trotzdem sie es uns mit allen Mitteln eingetrichtert haben — Natur und Kunst bedeutet keine Gleichung, sondern nur ein Gleichnis. Das

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