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Menorah · 1927-04-01 · Heft 4 (April 1927) · p. Seite 219

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 4 (April 1927)
Article
Edmond Fleg
Date
1927-04-01
Page
Seite 219 (sequence 4)
Language
German
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L'ENFANT-PROPHET E 219 scheint, was heute den springenden Punkt unserer Ethik und Religiosität bildet — der reinste Ausdruck des Messiasgedankens. Daß dies der rote Faden unserer Vergangenheit war, zeigt Fleg in einer Gedichtsammlung, die den Titel führt: „Höre, Israel", und aus Gedichten besteht, die fortlaufend, von der Weltschöpfung an, Themen aus der Bibel und der Geschichte behandeln und im Sinne jener messianistischen Konzeption zuspitzen. Und wenn das Judentum heute kahl ist und ein kümmerliches Dasein führt, so genügt es und bedarf ■— nach Flegs Ausführungen — nur einer inneren Wiedergeburt, aus jenem zentralen Motiv heraus, damit es seine friedenstiftende Kraft offenbart und seine Berufung erfüllt, der wahren Menschlichkeit Religion zu sein. Und somit jenes Bekenntnis wäre, dessen unsere Zeit voll ist, ohne ihm einen Körper bauen zu können. Im uralten, ewigjungen Judaismus wäre das Haus Gottes wiedergefunden, das fähig und bereit ist, die ganze Menschheit in sich aufzunehmen. Die Aschenbrödelhütte wird zum Weltentempel. L'ENFANT-PROPHETE Claude hringt dem Rabbiner die Bücher zurück, die er von ihm bekam, um in das Judentum Einblick zu gewinnen Ich brachte dem Rabbiner sein Buch zurück. „Sie hätten es behalten sollen, mein junger Freund. Das ist mein Geschenk zu ihrer Bar-Mitzwah." „Ich glaube nicht, daß ich Bar-Mitzwah feiere, Herr Rabbiner." Der Rabbiner blickt mich an .. . Wie mutlos er ausschaut! „Sie wollen nicht Bar-Mitzwah feiern?" „Nein, noch nicht, Herr Rabbiner: ich fühle mich noch nicht würdig. .. Es ist so schwer, Jude zu sein: diese sechshundertdreizehn Gebote!... So zu leben, wie dort im Ghetto, hinter dem Rathaus ..." „Sie werden halten, was ihnen möglich sein wird. Unser Gott ist so wenig anspruchsvoll." „Aber Gebot ist Gebot, Herr Rabbiner! .. . Sollt' ich mich täuschen? ... Die Pfadfinder haben auch ihre Gebote: sie wählen nicht: sie folgen ihnen. Es gilt da: alles oder nichts." Der Rabbiner hüstelt. „Habe ich eine Dummheit gesagt, Herr Rabbiner?" „Ich fürchte, ja, mein Kind. Das Gesetz ist nicht alles. Worauf es ankommt, das ist der Geist des Gesetzes." „Darum handelt's sich eben... Man müßte verstehen... Aber

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