Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 4 (April 1927)
- Article
- Edmond Fleg
- Date
- 1927-04-01
- Page
- Seite 218 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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218 MENORAH die von Zion aus die Welt erlösen soll. Denn dort wird einst ein Bruder von Moses und Jesus allem, was Menschenantlitz trägt, ein drittes und letztes Testament verkünden. Wie nun dieser Traum vom Weltfrieden aus dem Erlebnis des Krieges entstand, lernen wir in der „Klagemauer4' begreifen, einem der grandiosesten Werke, die vom Krieg Kunde geben, einem Poem von bezwingender musikalischer Schönheit. In einer erschütternden Vision „Dem Tanz der Städte" sehen wir alle Bosheit der Welt seit Urväter Zeiten jenes Unglück unserer Tage heraufbeschwören, das die ganze Schöpfung erniedrigt und die Menschen um ihre primitivste Würde gebracht hat. Der Ewige Jude, der durch die Zeiten und die Völker wandert und das gesamte Schicksal der Welt in sich aufnimmt, erlebt als Zeuge den Tanz all jener sündigen Babels und er ist es auch, der es versteht, wie aus all dem Blut, mit dem alle Völker aller Völker Sünden gesühnt haben, ein Volk hervorgehen muß, das einem Gotte dienen wird, am Berge Moria, wohin er selbst sie führen wird, des Menschenhasses schmerzvollstes Opfer. Denn Dunkel sind Deine Wege, ferner Gott. Doch wir werden ihn sehen, den Tag Deiner Wahl, Denn stärker leuchtet immerdar sein Glanz Und jedes Morgens Licht ist ein Schritt zu Dir. Als Fleg dann nach einer Zwischenzeit von etlichen Jahren sein Drama „Der Papst und der Jude" veröffentlichte, da war es wieder jener alte Traum, „so alt wie Jesajas und so modern wie Wilson", den er in diesem farbenprächtigen Fresko gestaltete. Papst Klemens VII. und Molco, der Jünger Reubenis, haben sich in Freundschaft vereinigt, um Frieden in die Welt zu bringen. Aber die Zeit ist noch nicht reif und sie retten aus dem Zusammenbruch kaum ihr nacktes Leben. Doch ungeschwächt bleibt ihre Hoffnung, daß der Messias kommt. „Wiederkehrt", meint der Papst, „zum erstenmal erscheint" der Jude. Außer diesem Unterschied trennt sie nichts. Und dieser Unterschied — er spricht zugunsten des Judentums. Denn es schlägt offensichtlich aller Wirklichkeit ins Gesicht, zu behaupten, der Messias sei schon gewesen und es beleidigt auch den Glauben an ihn, zu vermuten, nach seinem Wirken könne die Welt so ausschauen, wie es tatsächlich nach Christum der Fall ist. Die jüdische Religion ist es also, die dem reinen Gottsucher von heute, dem Kinde, das zwischen Judentum und Christentum gestellt ist, wie der Held in Flegs Roman „L'enfant-Prophete" — als reinster Ausdruck dessen er-