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Menorah · 1927-04-01 · Heft 4 (April 1927) · p. Seite 214

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 4 (April 1927)
Article
Einleitung zu dem Buche "Israel"
Date
1927-04-01
Page
Seite 214 (sequence 4)
Language
German
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214 MENORAH semitisch, also der Vernunft und der Gerechtigkeit feindlich und so in gleicher Weise Griechenland und Judäa entfremdet sind. Die große und gute Überlieferung des Westens liegt aber eben in dieser Vereinigung von Vernunft und Gerechtigkeit. Ihre Vorkämpfer sind weder Staatsmänner und nationalistische Dichter, noch eifernde Priester und siegreiche Feldherren. Ihre symbolischen Träger sind die Märtyrer der Wissenschaft, des Gedankens und des Friedens, die ewig Andersgläubigen, die steten Widersacher des Aberglaubens, der Gewalt und des Hasses. Montaigne und Spinoza, Bacon und Voltaire, Romain Rolland, Lessing und Goethe, Hazlitt und Shelley, Thoreau und Whitman, Bertrand Russell und Albert Einstein; diese Männer und ihre Gefährten haben die Tradition geschaffen, die uns vor der ursprünglichen Barbarei rettet, in welche die Menschen immer wieder zurückzustürzen drohen. Wir haben uns vom Chaos noch nicht weit entfernt. Die überlieferte Geschichte, die uns kurzlebigen Geschöpfen ein langer Zeitraum scheint, ist nur eine Stunde im Jahr des Geschehens. Der heutige Mensch ist noch ein Barbar, der zu seinem eigenen Schaden mit komplizierten technischen Erfindungen spielt. In gleicher Weise frei von Vernunft und Gerechtigkeit, hält er sich sogar für ein aufgeklärtes Wesen. Und doch unterscheidet er sich ja im Grunde nicht im mindesten von den wilden Stammesmitgliedern, seinen Ahnen, und alle Mächte des Patriotismus und der überlieferten Religion ketten ihn noch mehr an die blutigen und nutzlosen Handlungen seines dunkeln Aberglaubens. Daher dürfen wir unsere Hoffnungen nicht zu hoch spannen, aber es darf uns auch nicht zu sehr entmutigen, wenn Aberglaube und Krieg sich immer wieder auf der Weltbühne wiederholen. Wenn wir nur das innere, heilige Feuer anfachen, wenn wir nur die heilige Überlieferung der Erlösung bewahren und verbreiten helfen, dann haben wir unsere Aufgabe vollbracht und ein neuer Lichtstrahl ist die Urweltfinsternis gedrungen; dann haben wir dem Chaos wieder ein Teil abgerungen und Bedeutung und Form an seine Stelle gesetzt. Dieses Buch erzählt, wie ein ganzes Volk, das klein und verstreut, aber dennoch ein Volk ist, es in voller Absicht unternimmt, sich dem Dienst der Vernunft und des Friedens zu weihen. Dieses Volk hat an den Barbareien, den Kriegen und den Irrtümern der anderen Völker Anteil gehabt. Doch ist sein Wille nie völlig unterworfen, sein Gewissen niemals vollständig zum Schweigen gebracht worden. Aus innerem Drange und aus der Erkenntnis der furchtbaren Barbarei unseres Zeitabschnittes hat es sich entschlossen, jenem Willen und Gewissen Aus-

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