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Menorah · 1927-04-01 · Heft 4 (April 1927) · p. Seite 213

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 4 (April 1927)
Article
Einleitung zu dem Buche "Israel"
Date
1927-04-01
Page
Seite 213 (sequence 3)
Language
German
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ISRAEL 213 fühlt die Kraft dieser ganzen Masse in sich. So wird er Patriot, ist bereit, Soldat zu werden, und all dies aus der Tiefe seiner Furcht. Männer lassen sich in Heere einreihen, weil sie sich fürchten. Man kann sie in Uniformen stecken, weil sie dem Alleinsein und dem vielleicht aufkeimenden Minderwertigkeitsgefühl entfliehen wollen. Männer in Uniformen sind „einer so gut wie der andere"; hat einer einen Streifen am Ärmel, so hat er sich zwar etwas über seine Kameraden erhoben, aber er genießt noch immer den Vorteil der Zugehörigkeit zur Gesamtheit. Eine Welt ohne Furcht wäre eine Welt des Friedens. Was also in Wahrheit überall in der Welt die althergebrachte Überlieferung des kriegbefreiten Patriotismus, des Royalismus, der Revanche und der kriegerischen Rassensolidarität aufrecht erhält, ist der gleiche seelische Niederschlag: der Niederschlag einer Furcht, die schon alt war, als Babylon erbaut wurde und die Paläste des Minos emporragten. In Tausenden von Jahren, während der sich die primitivsten sozialen Bindungen zum Schutze der Menschen entwickelten, hat sich diese Furcht festgewurzelt. Wenn einst ein Mensch sich auch nur ein wenig aus dem Schlitzbereich seines Stammes entfernte, so fiel er auf der Stelle Feinden oder wilden Tieren zum Opfer. Kein Wunder, daß unter den Urmenschen jeder Verstoß gegen die Stammessitten und Gesetze mit dem Tode bestraft wurde. Widerspruchsloser Gehorsam war denn auch unerläßlich für die Existenz des Stammes. Staatsmänner und Feldherren, Bürger und Soldaten, Verfolger und Tyrannen, die von den Stammesbarden von Tyrtäus ab bis zu Kipling angefeuert worden sind, handeln noch immer im Bannkreis der alten Furcht des Stammes, der in den Wäldern und Wüsten der Urwelt um seine Existenz kämpfte. Prüft man den überlieferten Patriotismus auf seinen wahren Gehalt, so zeigt es sich, daß diese Tradition niemals verstandesgemäß geprüft und erfaßt worden ist. Der traditionelle Patriotismus ist weder groß noch gut, wenn auch der Glanz der Künste und der Literatur ihn vergolden; er ist und bleibt ein Überrest alter Furcht und barbarischer Instinkte. Er ist älter als die kritische Kontrolle der Vernunft über die Erfahrung, die zuerst in Griechenland 600 Jahre vor Christi Geburt aufkam; älter als die Moralbegriffe, die von den Weisen und Proymeten Israels im gleichen Jahrhundert aufgestellt wurden: der Staat wird von ihnen nicht mehr nach seiner Macht, sondern nach seiner sozialen Wirksamkeit bewertet und sie fordern die Wandlung des Stammesangehörigen zur freien Persönlichkeit. Es ist kein bloßer Zufall, daß auch heute die reaktionären Kräfte allerorts konservativ und anti-

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