Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1927-03-01 · Heft 3 (März 1927) · p. Seite 177

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 3 (März 1927)
Article
Auf dem Hügel
Date
1927-03-01
Page
Seite 177 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2912821-2912866-2912870-2919247--04537-2919364
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

AUF DEM HÜGEL 177 immer eine Semmel und wollte ihn nie auf dem Ofen übernachten lassen. „Geh . .. geh nur weiter", pflegte sie zu sagen, „geh", und Breindel blickte ihm mit scharfen Augen nach, bis dieser weit, weit unten am Fuße des Hügels verschwunden war. Schmiel-Jossje wußte, daß ein solcher Bäckergeselle für gewöhnlich ein Christ ist, ein Säufer und ein Dieb. Daß es auch Juden gibt, die „deutsche" Bäcker sind, war ihm neu. Aber er wußte sicher, daß aus so einem nichts Rechtes werden kann. Er wird sich vollfressen, an seinem Blute vollsaugen, seine Tochter unglücklich machen, stehlen und dann das Weite suchen. Was denn sonst? „Ein Bäckergeselle? ... Nu, nu ..." Schmiel-Jossje schüttelte den Kopf und ließ den Freier stehen, er versuchte von der Seite her die Ohren zu spitzen und zu erlauschen, was die Weiber drüben mit der Schadchente flüsterten: daß man den alten Ofen einstürzen und dem Bräutigam eine halbe Stube geben würde . .. Den alten Ofen einstürzen und einen neuen setzen. . . Einen „deutschen" Backofen, einen platten, ohne Pritsche, nur mit einem Kessel und einer Vertiefung... Und der deutsche Bäcker wird „deutsche" Küchel backen und Eierkringel wie in Koslew. . „Was, was denn ... ha ... was sagst du, was? ... Scheindel, hör' doch .. ." Schmiel-Jossje versuchte zunächst vorsichtig-leise, ungläubig und bittend zu fragen, Dann kniff er die Stirn zu schweren Falten zusammen und schrie, auf niemanden achtend, vor sich hin: „Was reden sie denn dort, was, diese dummen Weiber.. ." Schmiel-Jossje wußte noch nicht sicher, was hier vorging, aber er fühlte, daß da etwas nicht stimmte . .. Schlimm, sehr schlimm ... Hier geschieht etwas, was nicht geschehen soll... Was schwatzen sie dort, diese Weiber? Lauter Dummheiten .. . halbe Stube... deutscher Backofen ... sauere, weiche, aufgeblähte Küchel. . . rohe Eierkringel.. . Wird man denn was verkaufen? Ist das eine Beschäftigung für einen Juden? .. . Eine feine Beschäftigung! Küchel und Eierkringel... „Scheindel, sag' doch, Scheindel!..." bat der Mann wieder leise und untertänig. Aber wie es schon ihre Art war, ließ sich Scheindel also vernehmen: „Ist das deine Sache, Vater? .. . Dein Geschäft? Misch du dich nicht ein... Er muß auch wissen ... wirst schon früh genug erfahren . .."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.