Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 3 (März 1927)
- Article
- Auf dem Hügel
- Date
- 1927-03-01
- Page
- Seite 175 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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AUF DEM HÜGEL 175 wußte nicht, ob der Freier zu gefallen hat oder nicht, man sprach leise, tuschelte in den Winkeln mit Chajetschke, der Marktfrau, die hereingelaufen kam, den unvermeidlichen Korb mit Zwiebeln auf einer Hand tragend. Man steckte die Nasen zusammen und wunderte sich: Wo ist der Vater? Wo ist denn Breindel? Was wird geschehen? ... Aber weder Schmiel-Jossje noch Breindel wollten in die Stube kommen. Breindel stand im Garten neben dem eingefallenen Zaun, umgeben von hohem, grünem Unkraut und stechenden Dornen mit roten Köpfchen, an denen die Bienen sogen, und half dem Vater bei der Arbeit an dem Stall. Sie stützte den Klotz mit einer Hand auf das Knie und mit der andern zog sie gemeinsam mit ihrem Vater an der Säge hin und her, hin und her. „Uh . .. uh ... Mojd ... Nu ... was stehst du da, was . ..", brummte der Vater zornig in den Bart hinein. Breindels schwarze Nase wurde bleich. Ihre aufgesprungenen Lippen weiteten sich zu einem halb weinerlichen Schmunzeln, sie staubte ihr Kleid ab und betastete den Zopf auf dem Rücken.. . Klopfenden Herzens und nichts vor Augen sehend, geradeso wie wenn man ins Schwitzbad tritt, stürzte sie in die Stube und blieb in der Mitte stehen. Ein roter Hahn mit einem goldenen Schweif flog gerade auf den Tisch und ließ dort etwas liegen ... „Ahusch", schrie Breindel und lief dem Hahn nach. ,,Ahusch.. Und sie verfolgte ihn bis auf die Gasse hinaus. Der Freier saß noch immer steif, das Stöcklein in Händen. Er hob allemal seine bläuliche Fratze, hüstelte und schaute mit dem einzigen Auge voll Verachtung auf die harten, braunen und runden Brötchen, auf die schmackhaften, duftenden Bäckereien, die die alte Sur eh auf einer Schaufel aus dem Ofen zog und auf das Bett legte . . . Das soll mir auch ein Ofen mit Brot sein .. . ein feiner Ofen, dachte er. Die Weiber liefen indessen ein und aus, die verwahrlosten Kinder auf den Händen. Die erwachsenen Jungen mit den feuchten Nasen und den schütteren, hellblonden, verträumten Stirnlöckchen erhielten Kniffe. Man wußte nicht, ob die Partie Gefallen fand oder nicht. Aber wo ist denn der Vater? Warum kommt er nicht in die Stube? Scheindale und Raze liefen zum Vater in den Garten hinaus und forderten: „Warum gehst du nicht in die Stube, Vater? Schäm' dich doch vor einem fremden Menschen.. . Um Himmels willen, Vater ... Ein sauberer Vater... ei, Vater, Vater... Was hat er sich plötzlich an den Stall gemacht, wozu ... Gerade heute, mitten in der Feier... nun Vater ... ei, Vater... bist wirklich noch ein altfränkischer Jude ... heute sind andere Zeiten, Vater ..."