Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 3 (März 1927)
- Article
- Auf dem Hügel
- Date
- 1927-03-01
- Page
- Seite 174 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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174 MENORAH haarte Brust auf den langen Hobel gestützt, zum Fenster hinaussah, fiel ihm etwas Neues in die Augen. „Wer ist denn dieser Patron da ... wer?4* fragte Jidale und hinter seinem Rücken am Fenster reckten sich die Köpfe der Tischler mit den zerrissenen, staubigen Hüten, aufgekrempelten Ärmeln und Hobelspänen in den Bärten. Man drängte sich und gewahrte, daß drunten unter dem Hügel ein fremder Passagier einer Bauernfuhre entstieg, ein junger Mann in einem kurzen Rock, der den gelben Steifhut schief aufgelegt trug. Sein frischrasiertes Gesicht gab in der Sonne einen bläulichen Glanz wie Eisen. Der Neuangekommene sah sich mit dem einen Auge feierlich in der neuen Gegend um, während das andere blinde, in der Augenhöhle versunkene, mit dem dünnen Lid stolz zu blinzeln anfing. Den Rohrstock in der Hand, stieg er mit den krummen Bäckerfüßen den Hügel hinauf. Unten am Fahrweg wußte man schon, wer das war, aber es erschien ihnen unglaublich. Juden in Jarmulkas, die Hände auf dem Rücken; abgehärmte, plumpe Frauen; zerrissen einhergehende, barfüßige Jungen mit zerschlissenen Kappenschirmen liefen aus den Stuben. Man stand auf den Schwellen der Läden, und ungeschlachte Mädchen, mit einer Hand ihre Augen vor der Sonne beschirmend, wunderten sich: „Breindels Freier? . .. Man hat doch geglaubt, daß Breindel den Klotz heiraten wird ... Ein sauberer Freier... Was ist das für ein Herrchen? Woher ist er? Wahrscheinlich aus Koslew... Was ist er denn? Ein ganzer Kavalier gar ... Das muß schon der rechte Freier sein, wenn er Breindel nimmt. .. Man sagt, daß sein Vater betteln geht.. Indessen kam der Freier auf dem Hügel an, zu Schmiel-Jossjes Häuschen. Auf der Schwelle neigte er ein wenig den Kopf und sagte geziert-heiser und ein wenig hüstelnd: „Gott helf..." „Gott helf, guten Tag ... Willkommen ... Schmiel-Jossje, Scheindel, Raze, Breine ... Wo seid ihr denn zum Teufel. . Die alte Sureh war allein in der Stube. Sie schrie und rief, hustete und prustete, schalt, daß man alles auf ihren Kopf lade. Der Freier setzte sich obenan an den Tisch; er saß gerade und steif, als hätte er einen Stock verschluckt. Flink fing er mit seiner schwarzen Hand jedesmal eine Fliege ein und ließ sie in seiner Faust summen. Einzeln, mit länglichen, schämigen Nasen, voll Neugier, schlichen sich die Weiber ins Zimmer, eine nach der anderen; sie warfen einen verstohlenen Blick auf den Freier und rasch, kaum merkbar, streiften sie ein widerspenstiges Haar an der Stirnseite unter das Kopftuch. Man