Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 3 (März 1927)
- Article
- Auf dem Hügel
- Date
- 1927-03-01
- Page
- Seite 173 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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AUF DEM HÜGEL 173 vergnügt den Bauch im Sande, beutelten sich und verkrochen sich wieder in dem kühlen Schatten. Lange Jahre schon baut Schmiel-Jossje diesen Stall. Er dingt jedesmal nach Ostern einen Bauern für einen Tag und in die leeren Wände wachsen schmale, behauene Pfähle hinein. Aber in der Nacht kommt der Nachbar jenseits des Zaunes, Jechiel, der Tischler, samt seinen Söhnen, den Tischlergehilfen mit den groben Schürzen um die Lenden und den Hobelspänen in den Haaren und wirft die Pfähle um. Jechiel will es nicht dulden, daß Schmiel-Jossjes Stalldach in seinen Garten hinüberragt. „Wenn dahier Haare wachsen werden," sagt er, auf seine harte, schwarze und rauhe Handfläche deutend, die der Sohle eines alten Stiefels gleicht, „wenn dahier Haare wachsen werden, wird Schmiel- Jossje seinen Stall aufbauen." Aber Schmiel-Jossje hat sich, dem Tischlerpack zum Trotz, darauf versteift, just hier am Zaune seinen Stall zu bauen. .. Er meistert an ihm herum und sie stürzen ihn immer ein, sie stürzen ein und er bastelt von neuem daran. Man streitet über den Zaun hinweg, sie prozessieren seit Jahren und sind einander blutfeind. Jedes Jahr kommt mit seiner Tabelle der Richter aus Zborow gefahren, trinkt Bier, wischt sich den langen, gelben Schnurrbart, mißt mit einem langen Strick die Zäune, und Mikoli, der Polizeimann mit dem rostigen Säbel, treibt Keile in den Boden. Nachts reißt Schmiel-Jossje an seinem Zaun den Keil heraus und die Tischler an dem ihren. Und während Schmiel- Jossje heute dasteht und an ihm herummanipuliert, weiß er, daß bei dem Tischlerpack drüben in der Stube, zwischen ihren Brettern und Hobelspänen, der Teufel los ist. Bald erscheint auch draußen auf der Schwelle in seiner spitzen Jarmulka Jechiel, der Tischler, einen Sack um die Lenden und Hobelspäne in seinem langen, grauen Räuberbart; seine bösen Blicke stechen aus der Ferne wie Nägel. Sein ältester Sohn, Nechemjeh-Jidel, schaut aus dem Fenster hinaus, er dreht, nach Kavaliersart, mit zwei Fingern den schwarzen, vollen Schnurrbart und sagt: „Wollen wir wetten, daß man diesen alten Kerl da braun und blau geschlagen wegtragen wird..." Jidale hatte bereits in den großen Städten als Geselle gearbeitet. Er rasiert sich den Bart, am Sabbat geht er in gelben, knirschenden Handschuhen zum Beten und seine Stiefletten geben ein stolzes, herrisches Geknarre von sich. Während er jetzt, die mächtige schwarze, be-