Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 3 (März 1927)
- Article
- Auf dem Hügel
- Date
- 1927-03-01
- Page
- Seite 172 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2912821-2912866-2912870-2919247--04532-2919359- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
172 MENORAH „Uh ... uh ... Weiber. .. nu ... nu ... Eine schöne Geschichte ... rm, nu ... zu Hause sitzen... wirst wohl viel zum Beißen haben, wenn du zu Hause sitzen wirst." Und er entfernte sich. Gebückt kroch er einher hinter den Bauernhäuschen, zwischen den gelben, satten Gärten, verscheuchte mit dem Stock einen bellenden Hund, fand einen Knochen und steckte ihn in den Sack. Aber in der Mitte des Weges kehrte er plötzlich um. Er konnte heute nicht ins Dorf gehen. Er kam nach Hause und schwieg. Verstohlen warf er jedesmal einen Blick auf Breindel, die heute den Semmeltrog nicht zum Klotz hinuntergetragen hatte. Sie ging müßig umher in dem rotgelb karierten Sabbatkleid, frisch gekämmt, mit einem blonden, glatten, hartgeflochtenen Zöpfchen auf den Schultern und hielt ihre plumpen, schwarzen Hände auf dem Bauche verschränkt. Breindel war nicht gewöhnt, an einem Wochentage sich herausgeputzt zu sehen. Sie lächelte, indem sie ihre großen Pferdezähne zeigte, und ihre Ohren, heller als die sonnegebräunte Mitte des Gesichtes, standen ab, wie die Henkel eines Topfes. Sie schämte sich vor sich selbst, schämte sich vor dem Vater und dem Freier, der heute eintreffen sollte; und erst jetzt, da sie an einem Wochentag herausgeputzt ging, fühlte sie, wie wohltuend es ist, auf dem Klotze, über den Semmeltrog gebückt, zu sitzen, das Tuch über die Augen gezogen. Unruhig und mißtrauisch verfolgte sie die Frauen, ihre Schwestern und Schwägerinnen, die sich heute mehr als je in der hellen sommerlichen Stube zu schaffen machten. Die jungen Frauen hatten, in Erwartung des Festes, schon in aller Frühe das Mittagmahl fertiggekocht, die Stuben reingefegt. Mehrmals war Dudsie ins Vorhaus, hinter die Leiter geschlichen, hatte Breindel am Zopfe gezupft und aus einiger Entfernung ihr mit einem Finger mitten ins Gesicht hineingedeutet, mit breitem, blödem Gelächter: „Seh sie mal einer a—a—a—n, Breindale... Klo—otz .. Breindel konnte sich keinen Ort finden, wie eine Henne, die ein Ei legen will; sie ging aus der Stube hinaus und wieder hinein, mit einer verständnislosen Qiual der Erwartung in den Augen und kroch dann auf den Dachboden hinauf. Es ärgerte sie, daß der Vater heute nicht ins Dorf gegangen ist. Was hat er zu Hause zu suchen? ... „BreindelI Wo steckst du denn, wo . .. Mojd ...", rief der Vater. Er suchte die Hacke und ging in den Garten, um an seinem Stall, der aus vier Pfeilern bestand, hemmzubasteln. Sein Strohdächlein hing in der Luft, wie eine Kappe und warf einen schiefen, dreispitzigen Schatten in die heiße Sommersonne. Darunter rieben sich die Hühner