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Menorah · 1927-03-01 · Heft 3 (März 1927) · p. Seite 166

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 3 (März 1927)
Article
Jehudo Epstein
Date
1927-03-01
Page
Seite 166 (sequence 9)
Language
German
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166 MENORAH schon von der humorigen abgelöst wird. Denn jetzt heißt es: „In der Dampfstube ist eine treppenartige Estrade aufgebaut. Auf der obersten Stufe, wo es am heißesten ist, sitzen die Honoratioren und besprechen Gemeindeinteressen und Privatangelegenheiten ebenso wie die hohe Politik." Aber der Humor ist hier nicht das Ziel, zuletzt wird immer von den Bildern des Lebens ihre edlere Bedeutung abgeschöpft. Am Ende der Badeszene steht zu lesen: ,,Dort hörte ich unter Wassergeplätscher und unter dem fröhlichen Gejohle der sich mit Birkenbesen abklopfenden Badenden zum erstenmal die Namen Bismarck und Bücksenfeld (Beaconsfield) nennen." Das heißt: Trotz allem — das in die halbe Barbarei des russischen Ostens versprengte Judendorf bleibt auf seine Weise mit der Kulturwelt geistig verbunden. Das ist bei Epstein immer so. Immer sieht er hinter den greifbar und lebhaft hingestellten Gestalten und Handlungen den tieferen Sinn, den geistigen, sittlichen oder religiösen Gehalt. Immer entdeckt er in der altjüdischen Gläubigkeit eine allgemein menschliche Humanität. Und dieser Idealismus bei einem, der die Wirklichkeit so reell anzusehen weiß, scheint mir auch für den Charakter des Erzählers den Ausschlag zu geben. Auch in dem Kapitel „Sabbat" kommt er überall hervor. Ihm zuliebe opfert Epstein ohneweiters den Fluß der Erzählung, er ist in dieser Hinsicht weder ambitiös noch gar eitel. Sondern da ihm die Stelle vom Sprüchestudium am Sabbatnachmittag den Anlaß bietet, präsentiert er vor den Lesern der „Neuen Freien Presse", das heißt sozusagen vor aller Welt, eine ganze Reihe dieser Sprüche. Zu welchem Zweck? Nun, um — was er am Schluß mit der für ihn nur selbstverständlichen Offenheit ausspricht — der nichtjüdischen Welt zu zeigen, daß ihre „Vorstellung vom Geiste des Judentums und dem Wesen einer jüdischen Erziehung keine ganz richtige war" und nebstbei auch, um denjenigen „Juden, welche von vielem, was ihre Ahnen Edles getan und gemeint haben, nichts wissen", das Ethos und die Weisheit dieser Sprüche „auf die Nase zu wickeln". Auch hier ist es so: Man mag — etwa vom altgläubigen Standpunkt — mit Epstein nicht immer einer Meinung sein, aber man wird bei der Lektüre aus dem Genuß dieser aufrichtigen Persönlichkeit kaum herauskommen. Sie bleibt auch in ihrer heutigen Reife den heiligen Bräuchen verbunden, nicht allein durch das Gefühl der Rührung, sondern nicht weniger durch das Bekenntnis zu ihrem sozialen und sittlichen Sinn. Man wird diese Blätter, die mit einem bewegten Lobspruch auf die Nächstenliebe unserer Bibel endigen, nicht aus der

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