Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 3 (März 1927)
- Article
- Jehudo Epstein
- Date
- 1927-03-01
- Page
- Seite 167 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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JEHUDO EPSTEIN 167 Hand legen, ohne den Eindruck einer eigentümlichen Religiosität empfangen zu haben. Auch hier erweist sich Epstein als ein Bekenner. So wie seine Polemiken und seine Kunstwerke sind auch seine biographischen Erzählungen Konfessionen. Sie streben aus dem Kreise des Judentums in die Kreise der Humanität. Aber diese Humanität hat nichts gemein mit der blutleeren Gleichmacherei und noch weniger mit würdeloser Selbstentäußerung. Der Weltbürger Epstein bleibt Jude — im Gefühl und Bewußtsein, bei sich und vor aller Welt, in Werk und Schrift. Man muß seine Freude an ihm haben. An dem Künstler, dem Kämpfer und dem Erzähler — denn das alles ist eine männlich geschlossene Einheit, ein wahrhafter, reiner und kraftvoller Charakter. Nicht minder Freude an dem Juden. Wie dieser aus armseligen Anfängen durch härteste Arbeit zu seiner Künstlerschaft hinauf gelangt ist, das mag für jedermann ein Anlaß zur Bewunderung sein. Daß er aber auf diesem schwierigen Weg unermüdlich auch an der Entwicklung seiner Menschlichkeit gearbeitet und nichts von seinem tief verwurzelten jüdischen Idealismus preisgegeben hat, das verbindet unsern Kreis noch enger mit ihm und legt uns die schöne Pflicht auf, ihn vor seinem Abschied feierlich, nein, herzlich zu ehren. Jj_P Ich kehrte zurück nach Wilna. Mein drittes Schuljahr begann. Das Zeichnen nach den gipsernen Köpfen war mir schon längst langweilig geworden. Ich hätte mich gerne im Naturkopfzeichnen versucht. Aber das Arbeiten nach lebendem Modell war nicht leicht einzurichten. Iwan Petrowitsch hätte wohl nichts dagegen gehabt, ja, es wäre ihm sogar willkommen gewesen, es verliehe ja der Anstalt selbst einen höheren Anstrich, wenn man dort das Studium nach der Natur betriebe, aber der Schule standen für solche Zwecke keine Mittel zur Verfügung. Das Zeichnen nach der Natur war nur zu ermöglichen gewesen, wenn wir Modelle für eigene Rechnung stellten. Um bei meinem kargen Einkommen die Ausgaben leichter tragen ie Ferien waren vergangen.