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Menorah · 1927-03-01 · Heft 3 (März 1927) · p. Seite 165

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 3 (März 1927)
Article
Jehudo Epstein
Date
1927-03-01
Page
Seite 165 (sequence 8)
Language
German
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JEHUDO EPSTEIN 165 Würden wir vor die Wahl gestellt: wir möchten den polemischen Teil aus den Schriften des Künstlers nicht hergeben wollen. Denn er ist eine Quelle für die Erkenntnis seiner aufrechten Persönlichkeit. Und er gehört zum ganzen Mann, der auch als Kämpfer ein Charakter ist. Schon seine streitbaren Schriften kennzeichnet oder — man darf hier vielleicht, um eine rühmliche Ausnahme zu unterstreichen, ausnahmsweise auch ein heroisches Wort gebrauchen — adelt ihre Sittlichkeit. Sie ist auch seinen darstellenden Schriften zu eigen. Damit komme ich zu meiner dritten Begegnung mit Epstein, zur Begegnung mit seiner jüdischen Seele. Sie spricht am klarsten aus seiner Autobiographie schon aus den Schilderungen des Kleinlebens in seiner russischen Heimat, am köstlichsten vielleicht aus dem Kapitel „Sabbat", worin die Eigenschaften des Erzählers Epsteins gesammelt erscheinen. Es wird intim und so anschaulich erzählt, daß wir die Judengasse im weltfernen Dorf förmlich vor uns sehen und meinen könnten, ein Genremaler gebrauche zur Abwechslung einmal statt des Pinsels die Feder. Da bleibt nichts vergessen, auch nicht der Nachtisch, der schmackhafte „Zimes", die Sabbatlust der Kinder. Und schon stellt als erfreuliche Draufgabe auch der beste Humor sich ein, eine eigentüm liehe Mischung von Sarkasmus und Zartheit, von Lauge und Liebe. „Auch den Erwachsenen", heißt es hier, „schien der Zimes zu munden, denn von einem schönen Mädchen sagte man: A Moid wie a Zimes." Aus solchen Ingredienzien ergeben sich Bilder des jüdischen Kleinlebens von bleibendem Wert, wahre Kabinettstücke der Volkskunde. Die einfache Sprache, die reine Beobachtung und dann die kluge Deutung — das alles kommt einhellig zusammen, wie von ungefähr mit ein paar lockeren Strichen vorgetragen und doch mit vollsaftiger Wirkung. Wäre Epstein statt aufs Malen aufs Schreiben geraten, er hätte damit — denn die Zeiten sind schlecht — vielleicht nicht sein Brot verdient, aber gewiß einen Namen und den Dank seines Volkes. Wie prachtvoll zum Beispiel ist der eine Absatz mit der Schilderung des Männerbades am Freitag. Nur dreizehn schmale Zeilen, aber welche Lebensfülle! Er beginnt sachlich, wie ein Bericht: „Das städtische Dampfbad wird rechtzeitig angeheizt. Der Badediener begeht die Gassen des Judenviertels, schüttelt einen Birkenbesen in der erhobenen Rechten und ruft laut: ,Jüden in Bod erain!* Die männliche Bevölkerung stellt hierauf ihre Hilfsdienste (die sie am Freitag im Hause leistet) ein, versorgt sich mit frischer Wäsche und eilt ins Bad. Dort trifft sich die ganze Gemeinde." Soweit die reine Beobachtung, die nun

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