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Menorah · 1927-03-01 · Heft 3 (März 1927) · p. Seite 155

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 3 (März 1927)
Article
Jüdische Spiele
Date
1927-03-01
Page
Seite 155 (sequence 3)
Language
German
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JÜDISCHE SPIELE 155 spielen nachgeahmt. Der gewissermaßen gegebene Stoff für die Purimspiele war die Romanfabel, die dem Fest selbst untergelegt ist: das Spiel von Ahaschwerosch und Esther. Der Einfluß der Fastnachtspiele ist besonders deutlich in dem in der Leipziger Stadtbibliothek befindlichen „Schön neu Purimlied" zu erkennen, das in deutscher Sprache mit hebräischen Lettern geschrieben ist. Auch in dem von dem bereits erwähnten christlichen Schriftsteller Schudt überlieferten Frankfurter Purim spiel sind die Anklänge an die Fastnachtspiele noch vorhanden. Es ist wohl anzunehmen, daß die Purimspiele inDeutschland entstanden sind und von den Juden nach dem Osten mitgenommen wurden. Es finden sich in ihnen auch Anklänge an die Mysterienspiele und die Passionen; dafür ist ein verhältnismäßig altes Fragment eines Ahaschweroschspieles charakteristisch, das Arno Nadel im zweiten Jahrgang der Zeitschrift „Der Jude" veröffentlicht hat. Neben dem Ahaschweroschspiel sind auch andere szenische Darstellungen biblischer Stoffe für die Darstellung am Purimabend herangezogen worden, wahrscheinlich nicht viel später als die Esther-Hamanfabel. Das Josefspiel, welches den Verkauf Josefs, seine Staatskarriere in Ägypten und die Vereinigung mit den Brüdern und dem greisen Vater darstellt, ist ebenso in unzähligen Varianten in der Judenheit verbreitet, wie das Ahaschweroschspiel. Eine aus dem Ende des 17. Jahrhunderts stammende Ausgabe dieses Josef Spieles, die sich im Besitz des Schreibers dieser Zeilen befindet, ist dadurch besonders interessant, daß in ihr die erläuternden und szenenverbindenden epischen Einschiebungen, hie und da auch einige besonders pathetische Stellen des Spieltextes in hebräischen Reimversen abgefaßt sind, während der übrige Text jiddisch ist. Weit verbreitet ist auch die Dramatisierung der Opferung Isaaks für die Purimdarstellung. Noch bis zur Wende des 18. und 19. Jahrhunderts wurde in einigen Judensiedlungen in Deutschland am Purim traditionell eine Dramatisierung der biblischen David-Goliathepisode dargestellt; auch dieser Stoff wanderte nach dem Osten und hat dort seine deutsch-jüdische Färbung noch bewahrt, wie aus zwei Varianten dieses David-Goliath-Purimspieles aus der Gegend von Lodz, die der Folklorist N. Prilucki mitgeteilt hat, zu ersehen ist. Alle diese Stoffe wurden für ihren Zweck in fast völliger Anlehnung an die Bibel bearbeitet; gewisse stoffliche Veränderungen sind midraschistischen Ursprungs; selten schaltet die Volksphantasie frei. Die Gegenwartsaktualität ist im Purimspiel weit seltener und gewöhnlich jüngeren und jüngsten Ursprungs. So gibt es

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