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Menorah · 1927-03-01 · Heft 3 (März 1927) · p. Seite 154

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 3 (März 1927)
Article
Jüdische Spiele
Date
1927-03-01
Page
Seite 154 (sequence 2)
Language
German
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154 MENORAH — allerdings nur noch spärlich — bis heute erhalten haben. Und gerade diese anderen Spiele sind älter als das Purimspiel, dessen Entstehung wohl nicht früher anzusetzen ist als um die Wende des 15. bis 16. Jahrhundert. Die allgemeine Meinung geht freilich dahin, diese Entstehung um ein Jahrtausend früher zu datieren und für diese Zeitbestimmung wird ein Dekret des oströmischen Kaisers Theod o s i u s II. aus dem Jahre 408 der heute üblichen Zeitrechnung herangezogen. In diesem Dekret, das übrigens auch in den im Jahre 1714 erschienenen, für die Geschichte des Purimspieles wichtigen „Jüdischen Merkwürdigkeiten" des Frankfurter deutschen Schriftstellers Johannes Jakobus Schudt zitiert wird, erläßt der oströmische Herrscher ein Verbot der Hamanverbrennung durch die Juden seines Reiches. Diese Hamanverbrennung, wie sie das Dekret schildert, ging in der Weise vor sich, daß die Juden am Purim in den Höfen ihrer Synagoge einen Galgen aufstellten, an dem sie eine Puppe, die Haman vorstellen sollte, aufhängten. Nach der Vorlesung der Estherrolle wurde die Puppe samt dem Galgen verbrannt. Der Kaiser verbot diese Zeremonie, weil er sie — wohl auf Grund von Denunziationen — so auslegte, als würde damit der Tod Jesu verspottet. Das Verbot scheint zuerst wenig Beachtung gefunden zu haben, denn wegen dieser Hamanverbrennung brach vier Jahre nach der Erlassung des kaiserlichen Dekretes — im Jahre 412 — in Antiochia ein schwerer Pogrom aus. Diese Hamanverbrennung, über deren anscheinende symbolische Beziehung zu uralten Naturvorstellungen schon oben gesprochen wurde, wird für gewöhnlich als das älteste Purimspiel angesehen, jedoch mit Unrecht: die historischen Quellen über das Leben und die Festfeiern der Juden im frühen Mittelalter und auch später geben keinerlei Anhaltspunkte dafür, daß diese symbolische Zeremonie irgendwie szenisch eingekleidet gewesen, ja daß sie seit dem Jahre 412, da ihretwegen ein Pogrom ausbrach, überhaupt weiter geübt worden wäre. Erst im 18. Jahrhundert, zu einer Zeit, da Purimspiele schon gang und gäbe waren, taucht die Variante der Hamanverbrennung etwas modifiziert in einem in Polen entstandenen Purimspiel auf, zu dieser Zeit bereits als Nachahmung der in manchen Gegenden Polens (so in den Karpathen) üblichen „Judasverbrennung". Die ältesten Purimspiele, die wir überhaupt kennen, stammen aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, zeigen gar nichts von dem erwähnten Hamanverbrennimgsmotiv und sind, wie deutlich zu erkennen ist, in Bau und Motivierung den deutschen Fastnacht-

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