Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 3 (März 1927)
- Article
- Die "Judenpresse" in Wien 1848
- Date
- 1927-03-01
- Page
- Seite 150 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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150 MENORAH Redakteur der „Presse", der Jude Dr. Leopold Landsteiner. Gründer und Herausgeber der „Presse** war ein Nichtjude, der ungemein geschäftstüchtige August Zang, dem sein Blatt bloß Geschäft war. Allein wie so oft war auch hier Geist und Seele des Blattes, von dem es erst Leben empfing, der Jude Landsteiner. Nach Smets war die „Presse" „unstreitig das bestredigierte Journal, welches sich gegen alle Angriffe des Radikalismus siegreich behauptete und im Bürgertume stets größere Verbreitung gewann"20). Nach Mayer brachte Landsteiner (aus Paris) „nicht nur den pastösen, etwas akademisch getragenen Styl" des „Journal de Debats", sondern auch seine reichen politischen Erfahrungen mit. Er war ein scharfer Kopf, welcher die Unhaltbarkeit der damaligen Zustände, die Unmöglichkeit längerer Fortdauer der Bewegung voraussah und ihr in liberal-konservativem Sinne Opposition machte21). Literarischer Mitarbeiter der „Presse" war auch der bedeutende Dichter und Kritiker Hieronymus Lorm, hinter welchem Pseudonym der Jude Heinrich Landesmann sich verbarg. Lorm hatte das Unglück, als Jüngling Gesicht und Gehör zu verlieren, brachte es aber ungeachtet aller ungeheuren Schwierigkeiten zuwege, sich einen bedeutenden Namen in der deutschen Literatur zu verschaffen. Mit seinen „Poetische Schwingen und Federn Wiens" aus dem Jahre 1846, radikal in Inhalt und Form, gegen das System ankämpfend und seine Gebrechen wunderbar spiegelnd und geißelnd, erregte er Aufsehen über die Gemarkungen seines Heimatlandes hinaus. Ein Spätling der Revolutionspresse war die „Ostdeutsche Post", deren Herausgeber Ignaz Kuranda war. Das Geburtsdatum dieses Blattes fällt auf den 1. Oktober, mithin konnte sein Einfluß erst in der allerletzten Revolutionsphase, allerdings in der dramatisch gesteigertsten, da die Geschehnisse unaufhaltsam der Katastrophe zustrebten, sich einigermaßen geltend machen. Nur einigermaßen, und zwar mehr in den höheren, selbst leitenden Kreisen; denn nach unten konnte sie nicht durchgreifen. Konservativ-liberal in der Grundlage, mußte dieses Organ von vornherein auf Leser radikaler Zeitungen verzichten, aber auch beim Bürgertum ist es nicht recht heimisch geworden. Es war zu vornehm dazu, mehr Prunkstück als Hausrat, und so konnte es sich keine Beliebtheit verschaffen. In den Oktobertagen war man auf einen kriegerischen Ton gestimmt, da waren die revolutionären Instinkte zuhöchst gesteigert, daher konnte damals die „Ostdeutsche Post" keine Figur machen. Erst in der Nachrevolutionsperiode war ihr nachhaltiger Einfluß beschieden. Es möge hier noch ein spezifisch-jüdisches Organ, ein Blatt, das