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Menorah · 1927-03-01 · Heft 3 (März 1927) · p. Seite 145

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 3 (März 1927)
Article
Die "Judenpresse" in Wien 1848
Date
1927-03-01
Page
Seite 145 (sequence 3)
Language
German
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DIE JUDENPRESSE IN WIEN 1848 145 Freimüthige, Zeitung für Denker und Lacher" (samt Bauernzeitung) von Moritz Mahler begründet. Mahler wurde 1820 als Kind jüdischer Eltern in Wien geboren, trat aber später zum Christentum über. Smets charakterisiert Mahler, der zuerst Theaterkritiker war, als feig, bestechlich und unfähig5). Auf jeden Fall war er nicht ernst zu nehmen und ein unlauterer Charakter. Das Blatt gewann erst an Bedeutung, als es Mahler gelang, Isidor Heller für seine Redaktion zu gewinnen. Zugleich ward es sauberer und anständiger. Bei S. Mayer findet sich folgende zutreffende Charakteristik Hellers: „Heller ist ein merkwürdiger Mann von großem Talent, Geist, Wissen und anständigem Charakter." Moriz Hartmann nennt ihn ,,einen der merkwürdigsten Dichter, die je unbekannt geblieben sind". Seine Leitartikel sind scharf, aber immer anständig, zeugen von politischer Besonnenheit, insoweit eine solche in jenen Tagen zu behalten möglich war. Bald wagt er, und zwar noch mitten im allgemeinen Rausche, den Versuch, der Vernunft Gehör zu verschaffen und schreibt ganz entschieden: „Die Revolution muß endlich ein Ende haben!" Am 6. August übernimmt er gemeinsam mit Tuvora das Blatt, Mahler verschwindet6). Zugegeben, daß „Der Freimüthige" das Niveau der Frankischen Blätter nicht erreichte — wobei zu bedenken ist, daß „Der Freimüthige" ein Volksblatt und für die Massen bestimmt war — so muß man sich bei Beurteilung dieser Blätter unbedingt die psychologische Tatsache vor Augen halten, daß die Zeitungsschreiber mitten in der Revolution sich befanden, daß ihnen mithin die Distanz, der klare Blick fehlte. Entgleisungen mochten daher gelegentlich vorkommen. Immerhin wirbelte „Der Freimüthige" bestimmt nicht so viel Unrat auf, als daß sich die Bezeichnung „Schandblatt" rechtfertigen ließe. Als drittes Presseerzeugnis erscheint ein Blatt, dem eine ganz außerordentliche Wirkung beschieden war, ein Volksblatt kat exochen, und zwar der „Gerad' aus" (samt Guckkasten) von Bernhard Friedmann. Dank der Geschäftstüchtigkeit des Unternehmers erreichte diese Zeitung die für damalige Verhältnisse immense Auflage von 15.000 Exemplaren. Der „Gerad' aus" wTurde nicht wie die anderen Zeitungen kolportiert, sondern nach Smets in einem mit deutschen Fahnen geschmückten Bureau in den Straßen zum Verkaufe um den außergewöhnlich billigen Preis von einem Kreuzer herumgeführt7). „Friedmann", heißt es bei S. Mayer, „war der Sohn eines Juden aus Alt-Wien, des Spiritusfabrikanten Rubin Friedmann; hatte im Auslande gelebt und gelernt und jetzt, gereift, seine Vaterstadt wieder

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