Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 3 (März 1927)
- Article
- Die "Judenpresse" in Wien 1848
- Date
- 1927-03-01
- Page
- Seite 146 (sequence 4)
- Language
- German
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146 M E N O R A H aufgesucht.*' Und weiter heißt es bei ihm: „Der »GeracT aus6 reüssierte nicht dadurch, daß er die anderen Volksblätter an Unsinn überboten hätte, sondern im Gegenteil durch das Maß von Vernunft, welches von ihm eingehalten wurde8)." Ebenso schreibt über dieses Blatt Smets bei Besprechung der elenden Presseverhältnisse: Unter diesen schmutztriefenden Straßenblättern tauchte am 10. Mai ein Blättchen auf, welches sowohl wegen seiner mit Anstand gepaarten Fortschritttendenz und redlichen Strebsamkeit für die Aufklärung des minder gebildeten Volkes als auch wegen seines außerordentlich billigen Preises von einem Kreuzer C. M. vorteilhaft hervorstach usw.9)." Eine eigentümliche Stellung nimmt die von Siegmund Engländer und Willy Beck, dem Bruder des Dichters Karl Beck, begründete humoristische Zeitung „Wiener Katzenmusik" (Charivari) ein. Ihr Blatt benannten sie so nach den damals sehr beliebten Katzenmusiken, die gegen mißliebige, volksfeindliche Personen, Behörden und Institutionen im Schwange waren. Dieser Titel allein beinhaltet schon ein Programm. Der „Charivari" war eine grimmig-lustige Zeitschrift, die gegen alle Volksfeinde und Widersacher der Freiheit in launiger Weise zu Felde zog. Die Wirkung und der Einfluß, die von diesem Blatte ausgingen, waren bedeutsam; der „Charivari" war sehr beliebt und wurde allgemein gelesen, war er doch das einzige wirklich gute humoristische Blatt, das durch seinen trefflichen Witz und seine gelungenen Karikaturen fast immer einschlug. Und die „Katzenmusik" war mehr als ein Witzblatt; denn sie brachte auch ernste Leitartikel, die von politischer Sachkenntnis zeugten und dabei maßvoll in der Form waren. Im humoristischen Teile allerdings wurde manchmal derbe, wTenig bekömmliche Kost geboten. Aber eine humoristische Zeitschrift darf nicht mit demselben Maßstabe gemessen werden, wie ein ernstes Organ, sie darf nicht auf die Goldwage großartig auftretender Publizistik und philosophischer Reflexionen gelegt werden. Aus diesem Grunde kann man Smets durchaus nicht Recht geben, der folgendes über dieses Blatt ausführt: „ ... endlich das Witzblatt »Wiener Katzenmusik', welches, obwohl seine Schreiber nicht selten die Feder gemeiner und plumper Böswilligkeit ins Tintenfaß tauchten und obwohl es stets mit roher Zeichnung und elendem Ausdrucke erschien, gierig gelesen wurde10)" — Siegmund Engländer war außerdem noch Mitarbeiter der auf hohem Niveau stehenden „Constitutionellen Donauzeitung" des Dr. Hock. Ein bedeutendes und einflußreiches Blatt, „vielleicht das gediegenste Oppositionsblatt Österreichs"11), meint Smets, war der „Radi-