Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 3 (März 1927)
- Article
- Die "Judenpresse" in Wien 1848
- Date
- 1927-03-01
- Page
- Seite 144 (sequence 2)
- Language
- German
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144 MENORAH den rühmlich bekannten Redakteur verbürgt ist: Ludwig August Frankls „Wiener Abendzeitung". Frankl hatte schon im Vormärz seine gediegenen „Sonntagsblätter" herausgegeben, welche jedoch nach Smels nicht für die Masse, sondern für ein gebildetes Publikum geschrieben warenla). Die „Wiener Abendzeitung" war nicht so exklusiv, sie war populärer gehalten, aber in Inhalt und Sprache äußerst maßvoll, ja vornehm und stand turmhoch über den schmierigen Presseerzeugnissen des Jahres. Gerade deswegen war der Einfluß dieser Zeitung auf die revolutionären Geschehnisse beträchtlich und auch höheren Orts wurde mit diesem Blatte wegen der Persönlichkeit Frankls und seiner hervorragenden Mitarbeiter gerechnet. Bis zum 15. März hatte sich in den „Sonntagsblättern" keine Zeile über Politik gefunden. Im Fahrwasser Metternichs mochte Frankl nicht segeln, gegen das System durfte er infolge der Zensur nicht schreiben, so beschränkte er sich in seinen „Sonntagsblättern" lediglich auf Kunst, Literatur und Gesellschaft. Sehr interessant ist nun seine „Sonntagsrede", ein fulminanter Artikel voll Freiheitsbegeisterung, den er folgendermaßen beginnt: „Ich redigiere die ,Sonntagsblätter' seit 6 Jahren und 2^ Monaten, es erschienen 322 Nummern derselben. Ich erkläre hiemit allesamt für null und nichtig und beginne heute mit Nr. I2). Am 15. März — des Märzen idus für die finsteren Knechte, ist ein neuer Tag heraufgebrochen usw." Im Streit der Meinungen hinsichtlich der Konstitution nahm Frankl in energischer, wenn auch sachlicher Weise, gegen das Gottesgnadentum Stellung, welches absolut-monarchisch ist und den Gesellschaftsvertrag zwischen Volk und Fürsten negiert, eine Idee, die jeder liberalen Verfassung zugrunde liegen muß3). Zu den Mitarbeitern der „Sonntagsblätter" gehörte auch Dr. Siegfried Kapper. Er veröffentlichte ein geharnischtes Sonett: „An die Minister" mit dem Motto: „Videant Consules." In diesem Gedichte fordert Kapper die Minister auf, auf dem Wege der Freiheit mannhaft vorwärtszuschreiten oder sich zurückzuziehen, widrigenfalls sie wie „Phaethon am nächsten Riff zerschellen würden"4). Gewiß, die „Sonntagsblätter" und die „Wiener Abendzeitung" führten eine revolutionäre Sprache, aber diese in einer für die Epoche fast zu korrekten, edel gebändigten Form, was selbst ein in dieser Beziehung gewiß unverfänglicher Zeuge, wie Helfert, anerkennt. — Also konnten Frankls Blätter nicht den Anlaß zur verächtlichen Bezeichnung „Judenpresse" geben . .. Als zweites Organ von einiger Bedeutung begegnet uns „Der