Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 3 (März 1927)
- Article
- Die "Judenpresse" in Wien 1848
- Date
- 1927-03-01
- Page
- 143 (sequence 1)
- Language
- German
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MENORAH V. JAHRGANG MÄRZ 1927 NUMMER 3 Die „Judenjzresse" in ^Wien 1848 Von Dr. S. CzaczJzes Die Märzrevolution brachte nach der Aufhebung der Zensur einen ungeheuren Aufschwung des Pressewesens. Selbstverständlich gab es auch eine Reihe von Presseerzeugnissen und Zeitungsherausgebern, deren Ehrlichkeit und Gesinnungstüchtigkeit manches zu wünschen übrig ließen (die Reaktion züchtete übrigens selbst durch Korruption „gelbe" Presseexistenzen). Als es nun galt, die Errungenschaften der Revolution zu beseitigen, da wurde die Presse in erster Linie angegangen und jetzt entdeckte die Reaktion ihre sittliche Entrüstung, indem sie von der „Schandpresse" sprach, die sie zum Teil selbst gezüchtet hatte. Die Juden waren, entsprechend ihrem starken Anteil an der Revolution überhaupt, auch am Aufschwung des Pressewesens beteiligt; und nun hatte die Reaktion leichtes Spiel, ihre Offensive gegen die Presse nach der Linie des schwächsten Widerstandes zu richten. Sie identifizierte die „Schandpresse" mit der „Judenpresse" und damals entstand das seither geflügelte Wort jeder antisemitischen Propaganda. Es lohnt nun, auf Grund des vorhandenen historischen Materials den Dingen auf den Grund zu gehen und festzustellen, ob tatsächlich der Begriff „Judenpresse" mit dem der „Schandpresse" sich deckte, beziehungsweise wo die Schandpresse wirklich zu finden war. Helfert, der das ganze statistische Material dieses ungeheuren Blätterwaldes bearbeitet und in dankenswertem Eifer gesichtet hat, zählt in seiner „Wiener Journalistik" des Jahres 1848 711 Presseerzeugnisse auf, die in diesem „tollen Jahre", wie es viele nennen, das Licht der Welt erblickt haben. Es war ein Schieben und Drängen, ein Kommen und Gehen; gar viele verschwanden nach einem ephemeren Dasein sang- und klanglos von der Bildfläche. Lassen wir nun einmal die von Juden herausgegebenen Zeitungen und jene Blätter, deren Mitarbeiter Juden waren, Revue passieren1). Als erstes Produkt der Revolutionspresse tritt uns ein recht seriöses Blatt entgegen, ein Blatt, dessen Anständigkeit schon durch