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Menorah · 1927-02-01 · Heft 2 (Februar 1927) · p. Seite 130

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 2 (Februar 1927)
Article
Die Entdeckung der portugiesischen Marranen
Date
1927-02-01
Page
Seite 130 (sequence 2)
Language
German
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130 ME NORAH sagen, daß die ersten Marannen verspottet wurden, weil sie, nachdem sie auch den christlichen Glauben annahmen, einen Ekel vor dem Schweinefleisch hatten; eine andere Hypothese führt das Wort auf «KflK ptt" im Neuen Testament zurück: „Der Herr ist gekommen." Graetz vermutet in seiner „Geschichte der Juden*)", daß die Bezeichnung „Maran" vom hebräischen Wort "fitt"TO" (= verflucht) abgeleitet ist und daß die Täuflinge von den Juden so genannt wurden. Der Vater Schwartz' glaubt, daß das Wort „Maran" nur eine Kürzung des hebräischen Wortes "j^-ntfltt", <*as ne^t „vermeintliche Christen" bedeutet; im letzteren Sinne wird das Wort von Schwartz in seiner Abhandlung über die modernen Marannen gebraucht. Schwartz war die Tatsache, daß im politischen Kampf bekannte Führer politischer Parteien in Portugal, wie zum Beispiel der berühmte Dichter Nero Sinkewizc oder der berühmte Diplomat und Politiker Alfonso di Costa, einer der Gründer der portugiesischen Republik, als „Juden" bezeichnet wurden, nicht besonders auffällig, auch nicht der Umstand, daß in Portugal Familiennamen, wie „Cahn" und „Levi" zu finden sind; die Träger dieser Namen sind völlig assimiliert. Ein Zufall erst führte ihn zu seiner Entdeckung. Im Jahre 1917 kam Schwartz als Blei- und Zinkgrubendirektor in geschäftlichen Angelegenheiten nach B e 1 m o n t e, wo er erfahren hatte, daß die Hälfte der dortigen Einwohner jüdischer Abstammung sei. Auf seinen Wanderungen durch Belmonle fand Schwartz einen alten Granilstein, auf welchem eine hebräische Inschrift ausgehauen war: "pfcH Sd ^Btt DH IfcHV- Kr ermittelte, daß der Stein vom Jahre 1297 stammt und einen Teil der zerstörten Belmonter Synagoge bildete. Nach der Vertreibung der Juden wurde diese Synagoge in eine katholische Kirche verwandelt, die vor 100 Jahren einem Brand zum Opfer fiel. „In Belmonte", schreibt Schwartz, „habe ich einen christlichen Kaufmann, der Lieferant unserer Gruben war, kennengelernt; ich *) Deutsche Ausgabe, Bd. 3, 3,27. machte ihn aufmerksam, daß die Waren, die er uns lieferte, bei seinem Konkurrenten bedeutend billiger erhältlich seien; darauf erwiderte der Kaufmann: ,Sie werden bei ihm nicht kaufen, es dürfte Ihnen genügen, wenn ich Ihnen sagen werde, daß er J u d e ist . . .' Und es hat mir in der Tat genügt." Durch diesen neuen Lieferanten — er hieß Baltazar Feraia di Suiza — gewann Schwartz das Vertrauen der Marannen. Er erfuhr von ihm, daß er und seine ganze Familie in Belmonte Juden seien und daß sie «Tö!^" /'"llö^'DV" /fiDö* und andere Traditionen im geheimen pflegen. Di Suiza zeigte starkes Interesse für alles, was ihm Schwartz über das Judentum erzählte; ungemein überraschten ihn die Nachrichten über Erez-Israel und Zionismus. Seit jeher hielten die Marannen alles geheim und hatten keine Ahnung, daß irgendwo noch Juden leben, welche offen ihren Glauben bekennen. Die Frauen, die eigentlichen Kellnerinnen der Gebete, ließen mit keinem Wort ihre jüdische Abstammung verraten — sie waren dem „fremden" Eindringling gegenüber viel hartnäckiger als die Männer. Schwartz verzweifelte nicht; als in einer Familiensitzung eine ältere Marannenfrau ihn zum Beweis seines Judentums um ein jüdisches Gebet ersuchte und Schwartz das "Sx~it^ 5?cW sagte> da lauschten alle Anwesenden seinen Worten mit großer Aufmerksamkeit und Ehrfurcht; die alle Frau drückte Schwartz die Hand und sagte: „Jetzt glaube ich, daß Sie Jude sind, da Sie das Wort ausgesprochen haben." Jetzt durfte Schwartz die geheimen Betliäuser der geheimen Juden in allen Provinzstädten besuchen und in ihr geheimes Leben Einblick nehmen. In manchen Gegenden der Provinz Kastilo-Branko, so in den Städten Pinamaku und Monasanto, werden die Marannen „Kalamuis" genannt, ein Wort, dessen Bedeutung uns unbekannt ist, das aber als Spottname gilt. Dies die Familiennamen einiger Marannenfamilien: Kusto, Kruz (ein ausgesprochen christlicher Name, crux — Kreuz), Aspirito santo (der heilige Geist), Homin- Christo (der helfende Mensch), Suza, Rodri-

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