Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1927)
- Article
- Die Entdeckung der portugiesischen Marranen
- Date
- 1927-02-01
- Page
- 129 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Entdeckung der portugiesischen Marannen Vor einiger Zeit ging die aufsehenerregende Mitteilung durch die Welt, daß in Portugal bis heute „geheime Juden", Abkömmlinge der durch die Inquisition zur Zwangstaufe geführten, aber im geheimen ihrem Judentum treu gebliebenen jüdischen Familien leben, die bis heute, den Augen der Umwelt verborgen, ihr Judentum bewahrt haben. Diese Entdeckung ist dem Ingenieur Samuel Schwärt/, zu verdanken, dessen eifrigen Bemühungen es gelang, die ganze jüdische Welt für diese portugiesischen Marannen zu interessieren und ihre Verbindung mit dem Judentum herzustellen. Wer ist nun der Entdecker dieser Marannen und wie gelang ihm ihre Entdeckung? Darüber berichtet uns ein Vernandter Schwartz', Herr Dr. S. in Hasel, nach Schwartz eigenen Angaben folgendes: Ingenieur Samuel S r h w a r t 7. wurde in Zgierz im Jahre 1880 geboren. Er sludierle an der Pariser Slaalshochschule „Ecole des Mines" und wurde Bergwerksingenieur. In Paris befreundete sieh Schwartz mit Dr. Max Nordau, mi( dem er auch später in brieflicher Verbindung stand; als Bergwerksingenieur üble Schwartz seine Praxis in England und Italien aus. Er ging dann nach Spanien und widmete sieh dem Studium der jüdischen Geschiehle dieses Landes; darüber veröffentlichte er zwei historische Arbeilen in spanischer Sprache, auf Grund deren er Mitglied der wissenschaftlichen Akademie wurde. Nach dem Wellkrieg übersiedelte Schwartz nach P o r l. u g a 1 als Direktor einiger Zinki;nd Bleigruben und ließ sich in Lissabon nieder. So wie in Spanien widmete er auch in Portugal seilte ganze freie Zeit dem Studium der Geschichte der Juden in Portugal und mit großer Pietät begann er Aufschriften auf jüdischen Denkmälern, überhaupt alles, was ihm in die Hände kam, zu sammeln. Im Auftrage der Lissaboner Archäologischen Gesellschaft ließ er im Jahre 1928 ein Werk: vlnseriec.es Hebraiens ein Portugal" erscheinen. Vor einigen Jahren nun geschalt etwas, was für den Gang seiner Forschungen entscheidend wurde. Er erfuhr, daß sich in einem kleinen portugiesischen Städtchen. T o r m a r, eine alle S y n a g o g e befinde. Schwartz fuhr dorthin und erwarb sie. Dank dieser Erwerbung, der wichtigen Stellung, die er in Portugal bekleidet, und vielen persönlichen Eigenschaften gelang es Ingenieur Schwartz das volle Vertrauen der Marannen zu gewinnen. Und so erfuhr er das Geheimnis einer gänzlich unbekannten Well. Mit Eifer setzte er seine Forschungen fort und kam zur ungewöhnlichen Entdeckung, daß viele Familien, die nach außen als „christlich" gelten, im geheimen bis heule Juden geblieben sind und die jüdischen Feste und die überkommene Tradition treulich halten und hüten. Die Zwangslaufen, die in Spanien und Portugal in der Milte des 14. Jahrhunderts einsetzten und bis zur Verlreibung der Juden aus beiden Ländern dauerten, sind bekannt, ebenso bekannt ist, daß viele Tausende von .luden damals nur scheinbar die Taufe annahmen; es bildeten sich sowohl in Spanien als in Portugal die «CEntf* (Marannen) oder, wie man sie bis auf den heutigen Tag heißt. ..Neochrislen". Das Schicksal der Marannen nahm jedoch in den beiden Ländern eine verschiedene Wendung. Während die spanischen Marannen sich ganz assimilierten, blieben die portugiesischen Marannen bis auf den heutigen Tag Juden. Die Ursachen sind historischer Natur; die Vertreibung der Juden aus Spanien 1492 rief eine mächtige jüdische Massenemigralion hervor. 800.000 Juden machten sich auf den Weg. um Länder zu linden, in denen sie ihren Glauben bewahren und ruhig leben konnten. In Spanien blieb lediglich ein kleiner Rest jener Sehwachgläubigen, die sich bald vollständig assimilierten. Anders in Portugal: Nur wenige Juden verließen Portugal im Jahre 149(>, dem Jahre des Verlreibungsgesetzes oder richtiger Taufgesetzes. Die jetzt entdeckten ..geheimen Juden" sind nun Ur-Ur-Urenkel der ..uralten" Marannen. Das Wort ..Marannen" ist bis beule etymologisch nicht völlig klar. Es gibt darüber verschiedene Hypothesen: die eine entnimmt das Wort dem spanischen ..Maran", was so viel wie ..Schwein" bedeutet, das will