Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1927)
- Article
- Spinoza
- Date
- 1927-02-01
- Page
- Seite 121 (sequence 5)
- Language
- German
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SPINOZA 121 schöpft habe. Christian Kortholt in Kiel griff 1680 den Juden in „De tribus impostoribus magnis" als Atheisten heftig an. Er beklagt darin, daß Spinozas Lehren an Verbreitung gewännen. Ähnlich Veit Ludwig von Seckendorf in seinem „Christenstaat" 1685. Auch Thomasiiis wandte sich 1688 gegen Spinoza. Einige Jahre später konnte schon Jänichen in Leipzig einen Catalogus scriptorum Anti-Spinozianorum verfassen. Vergleiche auch Löschers Unschuldige Nachrichten 1710. S. 386. Der erste deutsche Spinozist war Matthias Knuzen, der in Jena (167-1) eine Sekte, die „Conscientiarii" oder „Gewissener" stiftete. 1692 erschien in Amsterdam ein Auszug aus Spinozas Ethik, samt einem Kommentar. Verfasser war Friedrich Wilhelm Stosch (Slossius). geheimer fürstlicher Sekretarius zu Berlin. Dieses Buch wurde in Preußen hart verfolgt und bei hoher Geldstrafe konfisziert. — Ein gewisser Theodor Ludwig Lau ließ 1717 „Meditationes philosophicae de deo, mundo et nomine" erscheinen, die auch die Ethik ausschreiben. In dem Maße aber, in dem Spinozas Philosophie an Verbreitung gewann, wurde sie auch verlästert und verfolgt, und die Bezeichnung „Spinoziste" wurde seit dem 18. Jahrhundert zu einem Schimpfworte. So muß man den mutigen Mann bewundern, der die „Ethik" zuerst ins Deutsche übersetzte. Es war Lorenz Schmidt, ein arg Verfolgter, der Sohn eines Pfarrers und selbst Theologe, der 1743 diese Übersetzung erscheinen ließ. Damals war es so gefährlich, Spinozist zu sein oder sich überhaupt mit Spinoza abzugeben, daß man es vermied, seinen Namen voll auszuschreiben. So erschien 1737 ein Buch des Rationalisten Christian Wolf: „IL v. S. Sittenlehre, widerlegt von dem berühmten Weltweisen unserer Zeit, Herrn Christian Wolf." Selbst Goethe war noch 1786 so vorsichtig, in den Briefen aus Italien statt des Namens Spinoza nur ein S oder gar bloß zwei Sternchen zu setzen. Goethe holte sich übrigens seine ersten Kenntnisse von Spinoza aus dem berühmten „Dictionnaire hislorique et critique" des französischen Skeptikers Pierre Bayle. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts war Spinozas Name in Deutschland verpönt und man redete von ihm allgemein als von einem „toten Hunde". Die Zeit der Aufklärung brachte den Umschwung in Spinozas Beurteilung und seine Auferstehung. Ein Lessing bekannte sich zu der Philosophie des Juden, und die Briefe des Düsseldorfer „Glaubensphilosophen" Friedrich Heinrich Jacobi an Moses Mendelssohn (1785), in denen Jacobi das spinozistische System für das einzig konsequente erklärte, erregten in ganz Deutschland gewaltiges Aufsehen. Mendelssohn, dem Jacobi Lessing als einen Spinozisten deklariert halte, ant-