Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1927)
- Article
- Spinoza
- Date
- 1927-02-01
- Page
- Seite 120 (sequence 4)
- Language
- German
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120 MENORAH er mit dem großen Banne belegt wurde. Spinoza konnte aber, dank der toleranten Haltung der weltlichen Gewalt, in einem Dorfe, wenige Meilen von der Hauptstadt entfernt, ruhig wohnen. Später lebte er bei Leyden, dann in der Nähe des Hang und zuletzt im Haag selbst. Ein Attentat, das ein jüdischer Fanatiker auf ihn verübte, schlug fehl. Gegen 1670 kam in Holland die kalvillische Geistlichkeit zur Herrschaft, und bald darauf wurde Spinozas Lage gefährlicher. Die reformierte Geistlichkeit hetzte gegen ihn und man muß leider annehmen, daß nur sein früher Tod ihn vor Kerker, vielleicht vor dem Feuertode bewahrte. Einer seiner Schüler, Koerbagh, starb im Gefängnis. Der Bann bedeutete für Spinoza die Trennung vom Judentum. Zum Christentum trat er nie über. Am nächsten stand er einigen Sekten, die damals in Holland toleriert wurden, den Mennoniten und Kollegianten. Unter ihnen fand er Verkehr, ohne zu ihnen zu gehören. Daß Spinoza schon zu seinen Lebzeiten sich einer nicht geringen Berühmtheit erfreute, bezeugt, abgesehen von seiner Berufung nach Heidelberg, sein Briefwechsel, der Namen wie Boyle, Huygens und Leibniz aufweist. Letzterer besuchte ihn kurze Zeit vor seinem Tode persönlich. Von Spinozas Schriften erschien 1663 eine Darstellung der Cartesianischen Prinzipien (,,B. des Cartes Principiorum philosophiae p. I et II more geometrico demonstratae"), 1670 der „Tractatus theologieopoliticus" (dieses Werk anonym); vielleicht schon 1655 hatte er den Traktat „De deo nomine eiusque felieitatc" verfaßt, den ersten Entwurf seines Systems, der aber erst in neuerer Zeit im Manuskript aufgefunden wurde. Sein Hauptwerk, die „Ethica ordine geometrico demonstrata", wurde erst nach seinem Tode von dem Amsterdamer Arzte Schuller, zusammen mit dem Traktat „De intellectus emendatione", dem unvollendeten „Tractatus politicus", seinem Briefwechsel und einem Kompendium der hebräischen Grammatik als „Opera posthuma", Amsterdam, 1677, herausgegeben. Die Wirkung Spinozas, besonders in Deutschland, war und ist bis heute eine sehr nachhaltige. Durch harte, oft ungeheuer niedrige und boshafte Anfeindungen rang sich seine Philosophie zu begeisterter Anerkennung hindurch und beeinflußte entscheidend Männer, wie Lessing und Goethe. Schon 1674 schrieb der Jenenser Professor Johann Musäus eine Abhandlung „De libertate philosophandi" gegen Spinoza theologischpolitischen Traktat. Job. Franz Buddeus, ebenfalls Professor in Jena, suchte in seiner Schrift „De Spinosismo ante Spinosam" zu zeigen, daß Spinoza aus den heidnischen Kosmogonien und aus der Kabbala ge-