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Menorah · 1927-02-01 · Heft 2 (Februar 1927) · p. Seite 119

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 2 (Februar 1927)
Article
Spinoza
Date
1927-02-01
Page
Seite 119 (sequence 3)
Language
German
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SPINOZA 119 ligion stören zu wollen scheine. Der Verdacht schismatischer Absichten entspringt ja nicht sowohl aus inniger Liebe zur Religion, als vielmehr aus mancherlei menschlichen Leidenschaften, oder auch dem Widerspruchsgeist, womit man alles, ob es noch so richtig gesagt ist, zu verdrehen und zu verdammen pflegt. Da ich das in meinem vereinsamten Privatleben schon erfahren habe, um wieviel mehr stünde es zu befürchten, wenn ich die Stufe dieser Würde bestiegen haben werde. Sie sehen also, hochansehnlicher Herr, daß mich nicht etwa die Hoffnung auf ein höheres Glück zurückhält, sondern allein die Liebe zur Ungestörtheit, die ich mir einigermaßen erhalten zii können glaube, mich veranlaßt, von öffentlichen Vorlesungen abzustehen. Daher ersuche ich Sie inständigst, den durchlauchtigsten Kurfürsten zu bitten, mir diese Sache noch weiter überlegen zu lassen, und daß Sie die Gunst des gnädigsten Fürsten seinem ergebensten Verehrer auch ferner erhalten, womit Sie tief verpflichten werden Ihren sehr ergebenen B. de Spinoza." Über die Lebensumstände Spinozas (1632—1677) hat Freudenthal in seiner Biographie ein reiches Material zusammengetragen. In Amsterdam, in einer der engen Gassen des Ghettos geboren, besuchte Baruch d'Espinoza (so lautete der Name ursprünglich; ob das de ein Adelsprädikat bedeutete, ist bis heute nicht aufgeklärt), der einer nach Holland geflüchteten spanischen .ludenfamilie entstammte, zuerst eine Talmudschule. Hier erlernte er das Hebräische und drang in das Verständnis der Bibel und des Talmuds ein, wobei er frühzeitig durch seinen Scharfsinn bei der Auslegung schwieriger Stellen auffiel. Er sollte Rabbiner werden, und man sah in dem Jüngling die künftige Säule der Synagoge. Allein sehr bald fühlte er sich von dem theologischen Studium abgestoßen. Die Bekanntschaft mit Franziskus van den Enden, einem Katholiken, der aber mit dem Kirchenglauben zerfallen war. wurde entscheidend für ihn. Bei diesem hochgebildeten Manne lernte er Latein, wahrscheinlich auch Französisch und Italienisch (Spinoza beherrschte das Spanische als seine Muttersprache und auch das Holländische), von ihm wurde er in die Naturwissenschaften, die damals emporzublühen begannen, eingeführt, und bei ihm dürfte er auch die Schritten des Cartesius zuerst gesehen haben. Als 1654 sein Vater starb, hörte Spinoza auf, die Synagoge zu besuchen, hielt sich nicht mehr an die Speisegesetze und verkehrte viel mit freigesinnten Christen. Zuerst versuchte man, ihm mit Zureden beizukommen, dann mit dem Anerbieten eines jährlichen Gehalts von 1000 Gulden, wenn er sich wenigstens äußerlich der jüdischen Sitte fügen wolle. Als er dies zurückwies, erfolgte 1656 seine Ausstoßung aus der Gemeinde, wobei

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