Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1927)
- Article
- Der Chaluz
- Date
- 1927-02-01
- Page
- Seite 113 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DER CHALUZ 113 Die Kolonie Tel Josef in Galiläa Nach einer Zeichnung von S. Riiskin dem kahlen Spitalszimmer wie Wunderblumen. Keiner hatte noch je solche Riesenexemplare gesehen. Schwester Doris trat ein: „Wie schön!" rief sie hingerissen. Lachend hob der Chaluz den Korb auf: „Ich schenke sie Ihnen alle!" Er stand da, jung und geschmeidig in seinem braunen Wams, den Wickelgamaschen, den dunklen Kopf zurückgeworfen, ein Bild des Lebens, mit den glühenden Früchten in den Armen. Schwester Doris schüttelte leicht den Kopf: „Wir dürfen nichts annehmen, Chaim, aber ein paar verteilen Sie wohl unter die Kranken?" Da wagte er eine Kühnheit: „Entweder den ganzen Korb oder gar keine — ich schicke ihn Ihrer Mutter." Im Saal wurde es still. Schwester Doris bückte sich, nahm zwei der schönsten, rötesten Früchte und sagte sehr leise: „Bringen Sie die ihr selbst." Gemeinsam wie in jener Nacht gingen sie vor die Tür. Schwester Doris öffnete und ließ Chaim Sonnenschein eintreten. Im Fenster auf einem Ruhebett lag eine schwarz gekleidete Gestalt. Ein leidgezeichnetes Gesicht mit tiefblauen Augen unter schneeweißem Haar wandte sich: „Mama," sagte Schwester Doris, „Herr Sonnenschein möchte dir gern selbst Orangen aus Jerusalem bringen."