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Menorah · 1927-02-01 · Heft 2 (Februar 1927) · p. Seite 110

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 2 (Februar 1927)
Article
Der Chaluz
Date
1927-02-01
Page
Seite 110 (sequence 2)
Language
German
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110 MENORAH sollten ihm nun dienen, sobald er nur ein wenig gesünder war, nach Kiew zu reisen und Vater und Taube mit nach Jerusalem zu nehmen. Würden sie dort auch manches noch unvollkommen finden, der alte Vater vielleicht unter dem Klima leiden, waren sie doch freie Menschen und vom Staate drohte ihnen keine Gefahr. Und er würde arbeiten für zehn. Schön war es hier im Krankenhaus — so still und friedlich. Freilich — wer sollte auch mit ihm sprechen? Er verstand Russisch, Jiddisch, Hebräisch und etwas Englisch, — das alles kannte hier niemand. Aber die Schwestern in ihren blauen Kleidern, steifen Hauben und weißen Schürzen lächelten ihm freundlich zu, und durch die hohen Fenster brach eine Sonne, die strahlte, ohne zu sengen. Er lag, und allmählich mußte er wieder eingeschlummert sein, denn als er die Augen aufschlug, standen zwei Ärzte an seinem Bett. Untersuchung — man fragte ihn, und er konnte nicht antworten. Der eine Arzt machte eine leichte Gebärde der Ungeduld: „Rufen Sie Schwester Doris," sagte er der diensthabenden Schwester, „sie möge dolmetschen." Ein blaues Kleid verschwand, ein anderes trat hinzu. Eine Stimme übersetzte auf englisch, was der Arzt sagte, und der Chaluz antwortete. Es währte geraume Zeit, dann gingen die Ärzte. Die Schwester blieb am Fußende des Bettes stehen. „Der Herr Doktor meint, daß es gut für Sie wäre, wenn Sie aufstünden und sich der allgemeinen Beschäftigung anschlössen. Was möchten Sie lieber: Korbflechten oder Bucheinbinden oder Gartenarbeit? Zweimal täglich zwei Stunden." Der Chaluz sah sie an. Zum erstenmal unterschied er unter der steifen Haube ein Gesicht, das anders geschnitten war, als die Gesichter der übrigen Pflegerinnen. „We are of the same race", sagte er leise. Die Schwester lächelte. „Ja. Aber das ist doch keine Antwort, Herr Ghaim. Wozu hätten Sie also Lust? Wir möchten Sie gern wieder frisch haben — Sie liegen uns schon tagelang." „Wirklich?" Der Chaluz strich sich über die Stirn, die gar nicht wie die Stirn eines Zwanzigjährigen war, sondern Falten hatte wie die eines greisen Mannes .. . „So lange? Gartenarbeit, bitte." An ihrer Seite ging er durch den Anstaltspark. Ihre weiße Schürze flatterte im Wind. Sie ging rasch, wie jemand, der jede Minute einem Zweck unterstellt hat. „Ich führe Sie zu dem Obergärtner —• Sie brauchen sich natürlich nicht anzustrengen, aber die Tätigkeit ist Ihnen gesund."

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