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Menorah · 1927-02-01 · Heft 2 (Februar 1927) · p. Seite 98

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 2 (Februar 1927)
Article
Auf dem Hügel
Date
1927-02-01
Page
Seite 98 (sequence 7)
Language
German
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98 MENORAH der einen Hand und in der anderen fühlt sie die kupferne Kühle der Münzen, die Schmiel-Jossje ihr zuzählt und aufdrängt. Am liebsten möchte sie das Säcklein und das Geld packen und weglaufen. Aber der Mann reißt ihr das Säcklein gierig aus der Hand und im Nu verschwindet es, liegt bereits im Winkel in einem Faß unter Säcken und Fetzen. Das Bauernmädchen entfernt sich langsam wie betrogen, und in ihren dicken, schmutzigen Beinen zögert Reue. Draußen hört man, wie Mendel-Hersch, Schmiel-Jossjes ältester Sohn — einhergeht und schilt. Gebückt, die runde, narbige Nase hängen lassend, als würde er etwas suchen, deutet er auf etwas mit seinem dünnen, rötlichen, harten Bart. "Den zerrissenen Kaftan, aus dessen Rücken die gelbe Watte hervorquillt, trägt er auf einer Achsel über einer Schichte von schmutzigen Leibchen; und zu sich selbst sprechend, flucht er mit seiner stotternden, unverständlichen Stimme seinen Kindern und seiner Frau. ,,Daß es ihnen nicht im Halse stecken bleiben will... Nur fressen und fressen .. . Solch starke Lümmel.. . Den ganzen Tag nur fressen .. . Hat man schon so was geseh'n . .. Solch ein Essen habe ich noch nicht gesehn .. . Ich bin ja auch kein Grüner ..." Aber Mendel-Hersch meint etwas anderes. Er kommt jetzt zum Vater, um sich wegen des Bauernmädchens auseinanderzusetzen . . . Sie gehöre ihm, diese Paraska, sie bringe immer ihm... Man reiße einem den Bissen aus dem Mund . .. Man lasse einen nicht leben... Die ganze Welt möchte man zusammenraffen.. . „Hörst, Va—a—a—ter .. . Du wirst kein gutes Ende nehmen, sage ich dir . .. Hörst.. ." Des Sohnes kurzer, harter Nacken, in den Falten behaart wie ein moosiger Klotz, rötet sich jetzt vor Zorn. Er spricht, flucht, zieht jedesmal die auf den Hüften mit einem Strick festgehaltenen Hosen herauf: „Ich sag' dir, Vater, du wirst kein gutes Ende nehmen . . . Hörst, Vater . . ." Der Vater antwortet mit keinem Worte. Was schert es ihn, daß jener dort schwatzt? Er soll bis morgen plappern. Er kramt in der Ecke in seinen Säcken und Fetzen herum und entwirrt einen Spagat. Die Enkel, Mendel-Herschs Kinder, größere und kleinere, stehen da? zerschlissen und barfuß, mit schwarzen, feuchten Näschen und glotzen böse mit den ausgehungerten Äuglein, bereit, wie eine Meute den Großvater anzufallen und eine Semmel zu erwischen. Der Großvater schreit, ohne sich umzuwenden: „Nach Haus, Gesindel, ich--werde--euch erschlagen ..

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