Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1927)
- Article
- Eine illustrierte deutsche Machsorhandschrift in Breslau
- Date
- 1927-02-01
- Page
- Seite 89 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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EINE DEUTSCHE MACHSORHANDSCHRIFT 89 angetrieben vom Stachel in der Rechten des ihm folgenden Treibers, der mit seiner Linken den Mantel schürzt. Ein weiterer Knecht trägt hinter ihnen an einem Querseil über der rechten Schulter zwei kleine rote Fäßchen mit Goldspund. Die Linke trägt einen Stab; die erhobene Rechte weist mit dem Zeigefinger in die Wegrichtung. Jede der drei Figuren steht in einer der drei Ausbuchtungen des Berggipfels. Dieser trägt in der Mitte einen Altar, auf den Abraham, mit Isaak an der rechten Hand, von links zukommt, beide mit unbedecktem Haupte. In der Mitte hinter ihnen steht ein Baum, vor dem Altar — von den Gehenden aus gerechnet — eine mannshohe Kerze im Leuchter, die zur Trennung der beiden dargestellten Szenen dient. Die Linke erhebt Abraham zur Belehrung; die Rechte Isaaks hängt herab. Auf dem Altar liegt Isaak, mit gebundenen Händen, auf dem Rücken. Abraham tritt von rechts hinzu, so daß er hinter Isaaks Kopf zu stehen kommt, hält ihm mit der Linken die Augen zu und holt mit der Rechten zum Schwertschlag aus. (Auch hier sind beide unbedeckten Hauptes.) Hinter ihm öffnet sich der Himmel. Auf blauem Sternengrunde erscheint ein Engel, der mit der Rechten Abrahams Schwert aufhält und mit der Linken auf den unter ihm im Gebüsch verfangenen Widder weist, auf den Abrahams Blick gerichtet ist. Die Knechte stellen mit ihren Nasen und Spitzbärten einen unverkennbar jüdischen Typus dar. Einer trägt sogar den spitzen Judenhut. Sonst ist ihre Kleidung und Kopfbedeckung deutsch. Abraham trägt einen langen Überrock über einem hervorschauenden Gewand; sein Haar ist in der Mitte rückwärts, an den Seiten nach recht und links gekämmt. Isaak trägt einen Kittel und dieselbe Haartracht, die wir auf deutschen Plastiken oft beobachten können. Der Rahmen des Bildes wird verschiedentlich überschnitten; als Ganzes paßt es genau in das Schriftbild der Seite hinein. Die Farben - gebung ist relativ wenig differenziert. Außer Schwarz und Gold kommen nur Blau, Gelb, Rot, Grün, Grau und Fleischfarben in geringer Nuancierung vor. Der Gesamteindruck ist Gold, Rot und Blau. — Fol. 89 b (Abb. 3) ist der Eröffnungssegen des Morgengebetes für den Versöhnungstag in ein die ganze Seite einnehmendes, geöffnetes Portal11) geschrieben. Zwei goldene, mit Kreuzblumen bemalte Pfosten setzen sich nach oben in einen Bogen fort, hinter dem gewissermaßen als seitliche Tangenten zwei Fialen aufstreben. Die beiden Pfosten ruhen auf Medaillons, die jedoch ihre Schauseite dem Betrachter zukehren. Drei weitere Medaillons befinden sich an den beiden Ansatzpunkten der Leibung und auf dem Scheitel des Bogens. Ihr Inhalt sind