Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1927)
- Article
- Eine illustrierte deutsche Machsorhandschrift in Breslau
- Date
- 1927-02-01
- Page
- Seite 86 (sequence 2)
- Language
- German
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86 MENORAH Kaufmann selbst am besten gewußt hat3). Außerdem aber hatten seine Arbeiten zugleich einen polemischen Zweck. Sie sollten den Beweis erbringen, daß die „allverbreitete Vorstellung, daß die Nachbildung von allem dem, was ,im Himmel oben und auf der Erde unten1 ist, im Judentum als religionsgesetzlich verboten gilt"4), falsch sei und daß mindestens die Praxis sich in vielen Fällen den Verboten bilderfeindlicher Rabbinen entzog. Die umfangreichen Nachweise Kaufmanns auf diesem Gebiet5) lassen vielfach die eigentliche Darstellung der Kunstwerke nur als Anhang, gleichsam als Belegmaterial für jene Nachweise, erscheinen. Aber das von Kaufmann beigebrachte Material ermöglicht es bereits, die hier zu beschreibende Machsorhandschrift in einen größeren Zusammenhang einzureihen. Denn wenn Kaufmann in seinen Arbeiten auch nicht einmal das alles mitgeteilt hat, was ihm an ikonographisch Bemerkenswertem bekannt geworden war, so genügen doch seine Veröffentlichungen, um erkennen zu lassen, daß der Inhalt des Breslauer Codex durchaus nicht ohne Beispiel in der Reihe der illustrierten jüdischen Handschriften steht, daß wir also im Judentum genau wie im Christentum mit einer Reihe feststehender Sujets zu rechnen haben. Das Manuskript ist Cod. Fol. IV 89 der Staats- und Universitätsbibliothek6). Es ist der offensichtlich zweite und letzte Band eines Machsors nach deutschem Ritus, das am Rande die Abweichungen für Polen enthält. Er umfaßt 300 Pergamentfolien im Format 55*5 X 38 cm, übersteigt also bei weitem das Format der größten hebräischen Druckfolianten und ist in einen nur wenig größeren gepreßten Pergamentband aus der Renaissancezeit mit acht Rückenbünden gebunden. Ein einziger Besitzvermerk ist alles, was sich an Material zur Kenntnis der Geschichte der Handschrift bietet. Daraus erfahren wir nur, daß der vorliegende Band einem Magister Gregorius Grunovius, Pfarrer in Göritz (Regierungsbezirk Frankfurt a. d. Oder) am Ende des 16. Jahrhunderts, gehört hat. Von dort ist er wohl auf dem Umwege über die Universität Frankfurt nach Breslau gekommen. Der erste, bisher nicht aufgefundene Band muß die Wochentags-, Sabbat-7), Peßach- und Schewuotgebete enthalten haben, wahrscheinlich auch die Fast- und kleineren Festtage. Ob er mit dem Abendgebet des ersten Neujahrsabends schloß, ist nicht auszumachen. Der erhaltene zweite Band beginnt jedenfalls mit dem Morgengebet des ersten Neujahrstages, so daß man glauben könnte, es sei am Anfang etwas ausgefallen. Die erste Pergamentlage ist aber vollständig; und das