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Menorah · 1927-01-01 · Heft 1 (Januar 1927) · p. Seite 68

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 1 (Januar 1927)
Article
Kunstaffären
Date
1927-01-01
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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68 MENORA H sich weisen können, — die Freiheit der Kunst soll in Geltung bleiben. Nicht daß ein Nichtjude den Bau der Universität erhalten hat, ist die Hauptsache, sondern, daß — man möchte es nicht für möglich halten — die jüdischen Künstler von vornherein ausgeschlossen waren. Denn die Angelegenheit ist auf sekretem, diplomatischem Wege erledigt worden. Und dagegen wenden wir uns, eins mit den Architekten von Palästina. Es geht um den freien Wettbewerb für alle. Es geht um die Reinigung der Kunst von jedwedem politischem Ballast, es geht um das Recht der Demokratie gegen die Autokratie. Was kann vernünftigerweise die Verwalter des Volksgutes, die verpflichteten Anwälte des Volksgeistes bestimmt haben, den Weg zu gehen, den sie gegangen sind? Waren sie der Meinung, daß geeignete jüdische Künstler nicht vorhanden sind? Waren sie gut informiert? Fehlte es an der richtigen Organisation? Oder gar an einer gesunden Mentalität? Wir glauben, es fehlt in Dingen der Kunst fast an allem. Es gibt heute genug vortrefflich geeignete jüdische Architekten, für jede Aufgabe. In allen Horizonten der modernen Welt spielen sie ihre, zum Teil führende und maßgebende Rolle. Man wird, um keinen zu übergehen, nicht einzelne Namen herausgreifen wollen. Aber die Verantwortlichen dürfen, falls sie es nicht wissen, uns aufs Wort glauben: es ist eine stattliche Fülle eigentümlicher Kräfte, die unter besseren Umständen volkstümlich werden könnten. Übrigens wäre es endlich an der Zeit, ihre Namen und die Bilder ihrer Werke einzusammeln, um diese Übersicht an zentraler Stelle zu informativen Zwecken niederzulegen. Aber damit nicht genug. Man müßte aus offiziellen Mitteln in Palästina eine Fachzeitschrift anschaffen, die den dort ansässigen wie auch den jüdischen Architekten aus aller Welt die Möglichkeit gibt, die laufenden Bedürfnisse des dortigen Bauwesens kennenzulernen und ihre einschlägigen Beiträge, Entwürfe und Verwirklichungen, zum Abdruck zu bringen. Das würde nicht viel kosten, jedenfalls weniger als die Fehler, die ohne ein solches Organ seit Jahren gemacht werden. Auch würden die heute noch abseits stehenden oder abgestoßenen und doch berufenen Autoritäten mittun, brachliegende Energien für die gemeinsame jüdische Sache gewonnen und allen Beteiligten — nicht zuletzt den politischen Führern — ein anschaulicher Bericht über die Fähigkeiten und Betätigungen unserer Baumeister zugetragen werden. Wäre er seit Jahr und Tag vorgelegen, ich denke, auch unseren bedeutendsten Diplomaten hätte der Mut gefehlt, bei der Lösung des Universitätsproblems unsere Architekten einfach zu umgehen.

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