Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1927)
- Article
- Kunstaffären
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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66 MENORAH was sich begeben hat, und zu untersuchen, warum es so kommen mußte. Die jüdischen Zeitungen registrieren einen Protest des Verbandes der Ingenieure und Architekten in Palästina. Dieser Verwahrung ist zu entnehmen, daß jüngst sowohl der Bau der Bibliothek wie auch jener der Universität in Jerusalem mit Umgehung des freien Wettbewerbes und daß der letztere an einen Nichtjuden vergeben worden ist. Merkwürdig schon, daß nicht alle jüdischen Zeitungen diese Klage der palästinensischen Künstlerschaft auch nur registrieren, merkwürdig, daß die jüdische Welt erst aus einem Protest, also auf negativem Wege von den gewiß nicht bagatellen Vorfällen erfährt, merkwürdig, daß wir durch die erste Meldung auch schon vor einen abgeschlossenen Tatbestand gestellt werden. Bei jeder passenden Gelegenheit ist es immer wieder behauptet worden, daß die Universität in Jerusalem eine alljüdische Frage bedeute, die das werktätige Interesse jedes Juden für sich in Anspruch nehmen darf. Aber als es um ihre bauliche Verwirklichung gegangen ist, wurde sie mit einemmal der Kompetenz der jüdischen Öffentlichkeit entzogen und in aller Stille als eine interne Frage behandelt. Die oftmals angerufene Öffentlichkeit war plötzlich außer Recht gesetzt und nicht einmal wert genug, um auch nur nachträglich vom Hergang der Dinge offiziell informiert zu werden. Mau wird es keinem übelnehmen können, daß er sich unter solchen ungewöhnlichen Umständen seine Gedanken gemacht hat. Doch nun zur Sache. Dem Laien, der die Meldung liest, trilft vor allem dies: die jüdische Universität soll nicht von einem jüdischen Künstler errichtet werden. Davon kommt er nicht los. um diesen Punkt kreisen immer wieder seine Gedanken. Und man wird — ohne darum seiner Ansicht vorbehaltlos beizustimmen -— sein gekränktes Gefühl wohl verstehen können. Denn wenn irgendwo, gilt für diesen Fall der Satz: Es ist der Geist, der sich den Körper schallt. Für den einfachen Mann wird es trotz aller Erklärungen, die ja über kurz oder lang zu erwarten sind, — und wären sie noch so stichhältig oder gar bezwingend — schlechthin unvorstellbar bleiben, daß die erste und einzige moderne Hochschule des jüdischen Volkes nicht von einem jüdischen Kopf ersonnen, nicht von jüdischen Händen gestaltet wird. Diese Meinung mag unsachlich sein. Und in einem gewissen Sinn ist sie das ohne Zweifel. Denn von einem rein sachlichen Standpunkt aus gesehen, erscheint auch die Universität in Jerusalem als eine Angelegenheit zweckmäßig organisierter Bauarbeit. Ein Komplex von Lehrsälen und Übungsstätten. Seminaren und Laboratorien soll ver-