Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1927)
- Article
- Kunstaffären
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 65 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Kunstaffären Die Universität in Jerusalem — Die Kunst in der \\ iener kultusstube ie Herausgeber der „Menorah" haben mich eingeladen, zu einigen J_ß Tagesfragen von Bedeutung für das Schicksal der jüdischen Kunst Stellung zu nehmen. Der Redaktion war es bekannt, daß dies — wenn überhaupt — wohl in sachlicher, aber auch in unverblümter Weise geschehen werde. Und das mag ihr nur lieb gewesen sein. Denn seit Begründung ihrer Zeitschrift hat sie das Recht der freien Meinung wirksam verteidigt und sorgfällig darauf geachtet, daß hier jede Anschauung, einerlei welcher Farbe, zum Ausdruck komme. Auf dieser Allseitigkeit des Horizontes beruhte und beruht der Charakter, die Sendung und der tiefere Erfolg unserer Monatshefte. Ich brauche also nicht zu fürchten, das Vertrauen der Schriftleitung zu mißbrauchen, wenn ich auch diesmal, was ich meine, ohne Bedenken geradewegs vorbringe. Doch es muß diesmal, wie leider die Dinge liegen, etwas schärfer zugehen, — nicht bloß ohne Bedenken, sondern auch ohne Rücksicht. Zu lange und nicht ungestraft hat man sich gescheut, die nackte Wahrheil zu sagen. Heute soll das Versäumnis gründlich nachgeholt werden. Denn ein Versäumnis ist es gewesen — an unserem Gewissen und an dem Volk, dem wir dienen. Nur dieses schwächliche Gewährenlassen um des lieben Friedens willen hat die Dinge bis zu ihren gegenwärtigen katastrophalen Zustand heranreifen lassen. Jetzt ist die Zeit des Nachgebens vorüber. Jetzt wissen wir, daß nur der Kampf aller berufenen, wahrhaft lebendigen Kräfte die üble Atmosphäre reinigen und die Sache der Kunst im letzten Augenblick vielleicht noch retten kann. Es muß hart auf hart gehen. Und da möchten wir die verdienstvollen Leiter der ,,Menorah" nach Tunlichkeit verschont wissen, wollen also — ohne daß sie es gewünscht hätten ■— im voraus nachdrücklich erklären, daß die Verantwortung für das, was zu sagen ist, uns allein zur Last fällt. Doch soll dieses Vorwort nicht bedeuten, daß wir die Absicht haben, den unvermeidlichen Kampf mit dem blanken Messer zu führen. Gewiß greift, was geschehen ist, jedem, den es näher angeht, ans Herz. Auch verstehen wir sehr gut die helle Entrüstung, die es in weitesten Kreisen hervorgerufen hat, die erbitterte Sprache der Proteste und die noch schlimmere Mutlosigkeit im Lager der Künstler. Schwer ist es, angesichts der Sachlage ruhig Blut zu bewahren. Um so klarer sehen wir unsere Pflicht, sie leidenschaftslos zu behandeln, zu berichten, Von Max Eisler