Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1927)
- Article
- Der Zauber der Volkskunst
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 4)
- Language
- German
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DER ZAUBER DER VOLKSKUNST 61 Abb. 3. Grabstein Abb. 4. Ghanukahlampe von Marek Schwarz konstruktive Logik nirgends etwa vergewaltigt. Die Löwen, die wir aus mittelalterlichen Darstellungen als Stützen, als Füße der Schreine kennen, berühren mit ihren Vorderpfoten die untere Partie der Tafel, als ob sie sie tragen würden, obwohl sie, dem Spieltrieb ihres Schöpfers gehorchend, eigentlich Akanthusblätter schwenken. Die Tafeln stehen, wie es sich gehört, in der Mitte, wenn auch ihre Bedeutung durch die ziemlich große Krone in den Schatten gestellt erscheint. Die Blumenvase unten rivalisiert wiederum mit der Krone und lenkt das Auge von ihr ab, so daß nichts betont, alles gleich wichtig ist. Das Ganze wirkt eben doch nur teppichartig, ornamental. Die ursprünglich in dem Darstellungsmotiv enthaltene konstruktive Absicht erscheint verwischt, wie dies von einem Erzeugnis der Volkskunst wohl zu erwarten war. Ein anderes überaus reizvollesBeispiel jüdischen Kunstschaffens bietet ein Grabstein, wie man sie im osteuropäischen jüdischen Ansiedlungsgebiet unzähligemal findet (Abb. 3). Hier ist das Tier, wie häufig in der Grabmalkunst, als Symbol verwertet, der Löwe ist nicht mehr Bestandteil eines Musters, sondern für die Einzelwirkung bestimmt. Aber er wird nicht in plastische Form gegossen, bleibt Ornament, in seinen Umrissen ganz von der Rundung des Feldes, in dem er steht, bedingt, der