Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1927)
- Article
- Ist die russische Judenheit zum Untergang verurteilt?
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 2)
- Language
- German
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48 MENORAH erste Land mit großer jüdischer Bevölkerung sein, das die Judenfrage einfür allemal lösen wird? Die Methode: Rußland verschlingt die Juden. Damit soll nicht gesagt sein, daß die Sowjeiregierung vorsätzlich die Juden zu assimilieren sucht. Was immer sie sündigt, die Einmischung in die inneren Rassenbeziehungen, in das Leben der Völker läßt sie sich in ihrem Machtbereich nicht zu Schulden kommen. Ihn» Rassenpolilik ist im allgemeinen tolerant (ausgenommen natürlich wenn etwas zu ihren politischen Zielen im Gegensatze steht). Den einzelnen Völkerschaften gewährt sie einen Grad von kultureller Autonomie, von dem sie nie geträumt haben. In einer Anzahl von Städten sind Elementarwie höhere Schulen mit Jüdisch als Unterrichtssprache eingerichtet worden. In Weißrußland ist Jüdisch sogar eine offiziell anerkannte Staatssprache. Natürlich zieht die Sowjetregierung keinen kleinen Nutzen aus dieser Toleranzpolitik. Sie beschwichtigt die Opposition der nichtrevolutionären Gruppen, der „fremden" Völkerschaften in Rußland und erhöht das Prestige Moskaus unter den abhängigen Völkern anderer Länder. Damit wurden zum Beispiel in Asien bereits beträchtliche politische Erfolge erzielt. Aber wie dem auch sei — - jedenfalls versuchen die Sowjets nicht, die Juden zur biologischen Fusion mit ihren nichtjüdischen Nachbarn zu zwingen und hätten sie es getan, sie hätten nicht hoffen können, größere Erfolge zu erzielen, als ihre gegenwärtige Politik anscheinend in naher oder in ferner Zukunft erreichen könnte. Die neuen Lebensbedingungen, welche die Sowjets für die Juden schufen — die freilich in materieller Hinsicht weit davon entfernt sind, beneidenswert genannt zu werden — und die neue soziale Ideologie untergraben die Jahrhunderte alte Widerstandskraft der Juden gegen die Assimilation und je mehr diese Verhältnisse sich stabilisieren, desto rascher würde diese Resistenz abnehmen. V oni nationalen Gesichtspunkte des Juden konnte die russische J n den h eit k ein große r es Ungl ü ck t r e f f en. als die R e v o 1 u t i o n. VV elches sind nun diese auflösenden Kräfte? Zunächst die Aufhebung der Wohnbeschränklingen; die Juden sind nicht mehr gezwungen sich in einem geographisch begrenzten Gebiete zusammenzudrängen. Sie dringen in neue Gegenden, zerstreuen sich unter neue Nationen, mit denen sie intim verkehren. Ich spreche nicht bloß von den revolutionären Juden, sondern von allen und speziell von der jüdischen Jugend. Dieser neue Kontakt mit Nichtjuden geschieht auf der Grundlage sozialer und politischer Gleichheit. Wohl gibt es zwischen Juden