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Menorah · 1927-01-01 · Heft 1 (Januar 1927) · p. Seite 33

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 1 (Januar 1927)
Article
Die Geschichte meines Taubenschlags
Date
1927-01-01
Page
Seite 33 (sequence 10)
Language
German
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DIE GESCHICHTE MEINES TAUBENSCHLAGS 33 Vierzig Kopeken waren für sie ein angemessener Preis, aber der Jäger wollte mehr erzielen und wandte sein Gesicht ab, das von der menschenfernen Leidenschaft des Vogelfängers gelb und verbrannt war. Am Ende, als er sah, daß es für diese Tauben keinen anderen Käufer gab, rief er mich zurück. Alles ging, wie ich es wollte. Dennoch sollte es schlecht ausgehen. Nach elf Uhr oder auch ein bißchen später ging ein Mensch in Röhrenstiefeln über den Platz. Er schritt auf aufgeblasenen Beinen leicht einher, in seinem verbrauchten Gesicht aber glühte ein lebendiges Augen paar. „Iwan Nikodemitsch," sagte er, als er an dem Jäger vorbeikam, „packen Sie ihr Zeug ein, in der Stadt haben die Jerusalemer Adeligen eine Konstitution bekommen. Auf der Rybnaja hat man Babels Großvater zum Sterben eingeladen ..." Er sagte dies und schritt zwischen den Käfigen durch, wie ein Barfüßiger durch grüne Fluren. „Vergebens," murmelte Iwan Nikodemitsch, „vergebens", schrie er lauter und begann, seine Kaninchen und auch den Pfau einzupacken, dann — dann steckte er mir die beiden Tauben für vierzig Kopeken zu. Ich verwahrte sie an der Brust und beobachtete, wie die Leute auf der Ochotnitzkaja auseinanderstoben. Der Pfau auf der Schulter von Iwan Nikodemitsch ging als letzter. Er saß wie eine Sonne am feuchten Herbsthimmel, er saß wie der Juli in hohem, kaltem Grase. Ich blickte dem Alten nach, seinem Schustersesselchen und den lieben Käfigen, die mit farbigen Fetzen umwickelt waren. Der Markt war schon ganz leer geworden und die Schüsse knallten ganz nahe. Da lief ich zum Bahnhof, durchquerte den Park und floh in eine leere Gasse, deren Boden mit stark zertretener, gelber Erde bedeckt war. Am Ende dieser Gasse saß in einem Fahrsessel der beinlose Makarenko, der immer durch die Stadt fuhr und auf einem Tragbrett Zigaretten feilbot. Die Knaben aus unserer Gasse kauften bei ihm Zigaretten, die Kinder mochten ihn gut leiden, und zu ihm floh ich. „Makarenko," sagte ich, vom Laufen ganz außer Atem, und streichelte die Schultern des Beinlosen, „hast du nicht meinen Großvater Schojl gesehen?" Aber der Krüppel antwortete nicht. Sein derbes Gesicht, das wie aus rotem Fett, mit Fäusten und Eisen geformt schien, wurde ganz durchsichtig. In furchtbarer Aufregung rutschte er auf seinem Fahrsessel hin und her, während seine Frau Katjuschka Sachen zusammenklaubte, die auf der Erde herumlagen.

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