Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1927)
- Article
- Der Kampf um das Profanjudentum
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
- Language
- German
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DER KAMPF UM DAS PROFANJUDENTUM 21 unterirdisch, aber doch immer stärker wirksam wurde und, obwohl von wenigen getragen, doch imstande war, einen Kampf in der Judenheit zu entfesseln und einen Prozeß anzubahnen, der von großer Bedeutung werden sollte. Die Ziele der Aufklärung wandten sich von der Russifizierung ab und es wurde ein Bildungsideal aufgestellt, das die Enge des religiöstraditionellen Kulturkreises durch eine breitere, nützlichere und haltbarere Basis ersetzen konnte. Freilich lagen auch da die Wege zur Assimilation frei, der Grundsatz „Sei Jude daheim, Mensch draußen", den I. L. G o r d o n (im übrigen sprachlich einer der bedeutendsten und psychologisch durch die auch in seinem Aufklärungsideal immer wieder hervorbrechende Resignation einer der interessantesten Vertreter der hebräischen Haskalahdichtung) geprägt hatte, wurde in gewissem — allerdings zeitlich und räumlich beschränktem — Sinne Parole; aber der stete Kampf, den dieses Bildungsideal mit der Orthodoxie und dem Konservatismus zu bestehen hatte, trug ebenso wie die äußeren Einwirkungen, vielleicht noch mehr als sie, dazu bei, daß es die Verbindung mit dem jüdischen Kulturinhalt nicht aufgeben konnte. Dafür ist nicht nur bezeichnend, daß die zweite Periode der Haskalah in Rußland und Polen für die Verbreitung ihrer Ideen sich des jüdischen Volksidioms bediente, sondern unter anderem auch, daß die jüdische Intelligenz, die sich in naturgemäßer Reaktion gegen den Druck von außen her den revolutionären Strömungen in Rußland anschloß, zum großen Teile auf jüdischem Gebiete blieb. So konnte es kommen, daß der Sozialist Aron Liebermann (auch unter dem Pseudonym Freeman bekannt) seinen Theorien einen national-jüdischen Standpunkt zugrundelegte. So wurde auch M. L. L i 1 i e n b 1 u m, der die religiös-traditionelle Überlieferung so heftig angriff, Hüter und Hort einer zentraljüdischen Kulturanschauung, so wurde gerade die Aufklärung Ursache und Tendenz für eine starke Profanliteratur in hebräischer und jiddischer Sprache und ihr ist es zu verdanken, daß das Hebräische als profane Sprache sich gegen den Widerstand der jüdischen Tradition durchsetzte. Wie Pilze schössen in den Siebziger- und Achtzigerjahren die hebräischen Zeitschriften aus dem Boden und Zederbaums „Hameliz", Silbermanns „Hamaggid", Smolenskis „Haschachar" wurden jüdischgeistige Zentren; wie stark die Stoßkraft dieser eigentlich der großen Masse fernstehenden Bewegung war, beweist der Umstand, daß die arg bedrängte Orthodoxie sich zur Abwehr der gleichen Mittel, Literatur und Presse, bediente. Die Tendenz dieser neueren jüdischen Aufklärung