Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1927)
- Article
- Der Kampf um das Profanjudentum
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
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18 MENORAH turelle Bewegung alles, was den nationalen Existenzwillen manifestiert, ebenso mündet, wie alles, was die kulturell-revolutionäre jüdische Forderung bejaht, heute bereits untrennbar mit dem gewissermaßen äußeren nationalen Rahmen verbunden ist. Der Anstoß, von dem diese jüdische Revolution des Geistes ausging, war die Aufklärung. Ein Produkt des philosophischen Rationalismus, führte sie in ganz Europa zur Machtrevolution, im Judentum aber zur kulturellen Revolution. Aber erst als sie in einer bestimmten Gruppe der Judenheit ihre spezifische Prägung erhielt. Die jüdische Aufklärung, die sich an den Namen des Philosophen Moses Mendelssohn knüpft, trug, an bestimmte wirtschaftliche Entwicklungsformen der deutschen Judenheit gebunden, einen soziologisch-destruktiven Charakter und konnte, so sehr sie sich anfangs um Erhaltung einer gewissen jüdisch-kulturellen Kontinuität bemühte, nicht zu der kulturellen Revolution führen, die dann in der Judenheit einsetzte. Aber die Mendelssohnsche „Berliner" Aufklärung fand im Osten unter der Judenheit Polens und Rußlands eine Fortsetzung, die Haskalah, die anfangs — das muß betont werden — bewußt die gleiche Richtung nahm wie ihre westliche Schwester, aber später durch gewisse vitale Grundlagen in der Judenheit des Ostens jene Umbiegung erhielt, welche den Prozeß der Profanisierung und Verbreiterung des jüdischen Kulturinhaltes heraufführte. Die galizische Haskalah der Perl, Krochmal, Erter, Rapoport und anderer war die Durchgangsstation von Berlin ins russische Judenstädtchen und was sie, abgesehen von ihrem bedeutenden literarischen Wert, an Positivem produzierte, war „Reform" (die Tätigkeit des „Reformators" Herz Homberg lag den Juden Galiziens noch lange in den Gliedern); ähnliche Bahnen schlug die jüdische Aufklärung in Rußland und Kronpolen ein und trotz der Idealgestalten wie Menasche 11 i e r, dem es wirklich auf ein starkes Judentum ankam, oder Mendel L e w i n aus Satanow, der naturwissenschaftliche Werke in ein klassisches Hebräisch übertrug und in einer vielleicht unbewußten religiös-revolutionären Art Stücke der Bibel in das jüdische Volksidiom übersetzte, brachten es die Bestrebungen der russischen Haskalah über das Berliner Aufklärungsschema nicht hinaus und das Evangelium der damaligen Haskalah, die 1828 erschienene Schrift „Teudah Bejisrael" des J. B. Levinsohn, den man den russischen Mendelssohn nannte, war im wesentlichen nichts anderes als ein recht getreuer Abklatsch der westlichen Emanzipationsreformen; auch die darin propagierte Förderung von Ackerbau und Landwirtschaft unter den Juden ist