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Menorah · 1927-01-01 · Heft 1 (Januar 1927) · p. Seite 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 1 (Januar 1927)
Article
Aktenstücke zur Geschichte der Judenpogrome in Rußland im Jahre 1881
Date
1927-01-01
Page
Seite 12 (sequence 6)
Language
German
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12 ME NO RA H Charakteristisch ist, daß die „Neue Zeit" bei Besprechung der — Vorfälle in Njeshin, dieselben beinahe entschuldigt, indem sie die Ausschreitungen der Bevölkerung als einen Akt der Nothwehr gegen die wirthschaftliche Bedrückung durch die Juden schildert und hervorhebt, daß deren persönliche Sicherheit" nicht bedroht wurde, sondern es n u r auf Zerstörung ihres beweglichen und unbeweglichen Besitzes abgesehen war. Die genannte Zeitung entblödet sich nicht an diese Argumentation anknüpfend, ihr Bedauern darüber auszusprechen, daß die Lokalbehörden die Truppen angewiesen hätten, von ihren Waffen Gebrauch zu machen und fordert eine strenge Untersuchung der Beweggründe eines solchen Befehls. Dieses Wieder er wachen der kaum etwas beschwichtigten Juden frage wird der Regierung noch schwere Sorgen bereiten und angesichts der hier herrschenden Stimmung und der in einem großen Theile Deutschlands um sich greifenden Antisemiten-Bewegung dürften die von England geplanten Schritte3) zu Gunsten der Gleichstellung der Juden kaum den gewünschten Erfolg haben. Genehmigen Euer Excellenz den Ausdruck meiner tiefsten Ehrfurcht. Trauttenberg. I. Njeshin. (Uber die Judenverfolgung in Njeshin) entnehmen wir russischen Blättern nähere Mittheilungen. Die Einwohner waren schon seit langer Zeit gegen die Juden aufgebracht. Diese feindliche Stimmung wurde noch dadurch vergrößert, daß nach den letzten Krawallen die jüdische Bevölkerung Njeshins durch Zufluß aus anderen Städten gewachsen war. Es bedurfte nur des geringsten Anstoßes. Am Sonntag den 19. Juli, verbreiteten sich in der Stadt dunkle Gerüchte über eine noch in derselben Nacht zu erwartende Judenverfolgung. Es passirte jedoch nichts, und der Morgen des nächsten Tages, es war gerade ein Feiertag, brach ruhig heran. Allein um 9 Uhr Abends begannen die Unruhen im Mittelpunkt der Stadt mit der Zerstörung einer Schenke. Das Militär umringte die tobende Menge und forderte sie auf, auseinanderzugehen, widrigenfalls es zu den Waffen greifen würde. „Es wird uns nichts geschehen, da spaziren noch Herren", war die Antwort. Das Militär war zu schwach, um Arretirungen vorzunehmen. Unterdessen erschien ein Courier und berief die Soldaten nach Matscherki, einem Vorstädtchen Njeshins. Hier fiel ein Ereigniß vor, welches sowol die Stimmung der Bevölkerung, als auch den Gang der Unruhen vollständig veränderte. Es war 2 Uhr Nachts. Als der Befehl des Offiziers zur Ruhe von der Menge nicht befolgt wurde, befahl er den Soldaten eine Salve zu geben. Vier Personen wurden getödtet und eine verwundet. Kaum hatte sich diese Nachricht in der Stadt verbreitet, als sich vom frühen Morgen des andern Tages an Haufen von Weibern und Männern zusammenrotteten und in den erbittertsten Ausdrücken ihren Unwillen darüber äußerten, daß man, wie die Juden zu schützen, Christen getödtet habe. Die Zerstörungswuth des Volkes kannte jetzt keine Grenzen.

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