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Menorah · 1927-01-01 · Heft 1 (Januar 1927) · p. Seite 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 1 (Januar 1927)
Article
Aktenstücke zur Geschichte der Judenpogrome in Rußland im Jahre 1881
Date
1927-01-01
Page
Seite 11 (sequence 5)
Language
German
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AKTENSTÜCKE ZUR GESCHICHTE DER POGROME 11 weiß, was anfangen. Unter diesen Umständen dauert natürlich nicht nur die Panik unter den Juden fort, sondern auch die tiefe Beunruhigung unter den besitzenden Klassen und dem Adel. Außer diesen localen Sicherheits- und Präventivmaßregeln hat die Regierung nichts getan, um der für die ökonomische Lage des Reichs so gefährlichen Bewegung Halt zu gebieten. Man wartet hier wie bei einer Überschwemmung, daß sich die zerstörenden Fluten wieder verlaufen werden. Unterdessen stocken natürlich alle Geschäfte, das Vertrauen und der Credit der Handelswelt schwindet von Tag zu Tag. Viele große Fabriksetablissements arbeiten bereits mit halber Arbeitszeit und erklären, wenn nicht eine entschiedene Besserung eintritt, nicht länger als bis Ende Juli ausharren zu können — bis dahin werden also vielleicht Tausende von Proletariern ohne Brot sein. Es ist also kein Wunder, daß die Regierung über diesen Stand der Dinge alarmiert ist. Die ganze Bewegung gegen die Juden kam unerwartet und umso unerwünschter, als der Kaiser wie die Regierung in der letzten Zeit sich mit Toleranzideen bezügl. der religiösen Sekten beschäftigte, welche auch den Juden zu Gute kommen sollten. Jetzt ist man auch in dieser Frage ratlos, wie in so vielen anderen. Genehmigen E. Exz. Kälnoky. III. Eine Darstellung der Pogrome Seiner Excellenz Herrn Freiherrn von Haymerle etc. No. 41 B. St. Petersburg 10. August 1881. 29. Juli Hochwohlgeborner Freiherr, Die heutigen Morgenblätter veröffentlichen Nachrichten über neue Ausbrüche des Fanatismus der ländlichen Bevölkerung gegen die Juden, welche jüngst in verschiedenen Orten Südrußlands stattfanden. Diese abscheulichen Vorgänge spielten sich fast gleichzeitig an verschiedenen Orten ab, so in Njeshin bei Kiew, in Borispol und in Perejaslaw, im Gouvernement Poltawa. — In beiden ersteren Orten machten — zum ersten Male — die Truppen von den Waffen Gebrauch und blieben, von den Verwundeten abgesehen, in Njeshin 10, in Borispol 5 Personen todt auf dem Platze. Ich beehre mit Euer Exzellenz, in der Anlage die thatsächlichen Notizen über jene Vorfälle, die ich russischen und deutschen Blättern entnehme, — gehorsamst zu übersenden.

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